Zwischen den Welten
Was wohl der weise wie menschenkundige Doktor Marianus zu dieser Szene am Beginn des vierten Akts von «Les Indes galantes» anmerken würde? Er würde vermutlich schweigen, schmunzeln und sehr sanft sein Haupt schütteln. Denn rein gar nichts ist hier von jener reinen Minne zu spüren, die Marianus in der Bergschluchten-Szene aus Goethes «Faust II» besingt, von jener ernsthaften, tiefen, wahren Liebe, die des Mannes Brust ernst-zart bewegt und für ihn zur Quelle des Mutes, der Wonne sowie seines Seelenfriedens wird.
Diese Liebe sieht sich verwandelt in blindes, unproduktives, vor allem grob spekulatives Begehren, und dabei machen weder Damon, ein fescher französischer Offizier, noch sein Kompagnon Don Alvar, ein spanischer Grande, einen besonders guten, geschweige denn erhabenen Eindruck. Schauen, als ein Quintett aus platinblonden Cheerleadern hereinwedelt, aus gülden schimmernder Rüstung, mit hochmütiger Miene mal hier, da und dort hin, zupfen, während sie durch die Reihen scharwenzeln, keck-verwegen am Röckchen einzelner Damen, geben die galant-gescheiten Gockel, dass es eine (Un-)Art ist, wissen aber letztlich gar nicht, wer das Subjekt ihrer angeblich außergewöhnlichen Zuneigung ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Zwar ist 2019 noch nicht vorbei. Doch müsste ein Wunder geschehen, um dieses Offenbach-Jahr noch zu drehen. Sein Ertrag ist – überschaubar: einige Neuproduktionen, doch kaum neue Perspektiven. Und noch weniger Auseinandersetzungen mit Unbekanntem («Barkouf», der im Oktober in Köln Premiere hatte, war schon 2018 in Straßburg herausgekommen).
Das kalauernde Motto...
Die im April 2013 eröffnete Spielstätte für Oper, Operette, Ballett und Musical in Linz ist Österreichs modernster und universellster Musiktheaterbau. Er bietet attraktiven Raum vor allem für große Werke. Dieser Zug zum Großen: Er ist auch den Intentionen des derzeitigen Intendanten Hermann Schneider und seines Chefdirigenten Markus Poschner nicht abzusprechen....
Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des...
