Zweifelhaftes Heldenleben
Giusto Fer(di)nando Tenducci (ca. 1735–1790) war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Kastraten ihre Libido und veränderte Körperfettverteilung durch Testosteronsubstitution wieder normalisieren konnten, so dass die zu einem vokalen Wipfel-Dasein Erkorenen sich auch ein bewegtes erotisches Leben nicht versagen mussten. Zumal das Messerchen ja «bloß» die Hoden entfernte und nicht wie bei Eunuchen quasi bis ins letzte Glied wirkte; daher brauchte niemand um eventuelle Folgen einer körperlichen Beziehung besorgt zu sein.
Doch war hinsichtlich Tenduccis Sexleben über allen Wipfeln eher Unruh, nützte er doch diesen Sicherheitsfaktor schamlos aus; beispielsweise verdankte er seinen Ruhm in London nicht allein seinem Gesang, sondern zudem einer skandalösen Affäre mit Elizabeth Lyttelton, einer seiner aristokratischen Verehrerinnen.
Auf jeden Fall verbrachte der aus Siena gebürtige Soprankastrat den überwiegenden Teil seiner Karriere auf angelsächsischem Boden, in London und Dublin. Letzterer Tatsache widmet sich nun die irische Mezzosopranistin Tara Erraught. Der Titel ihres Recitals «The Trials of Tenducci» spielt in doppelter Spur sowohl auf die künstlerischen Herausforderungen des ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché
Seit fast drei Jahrzehnten steht die Sopranistin Sandrine Piau im Rampenlicht. Zusammen mit Véronique Gens verkörpert sie die Wiederkehr jenes typisch französischen Gesangsstils, der Virtuosität mit Lyrik, Eleganz mit Tiefgang, nicht zuletzt verbale Nuancierung mit vokaler Differenzierung verbindet und mit Ninon Vallin und Suzanne Danco dahingegangen schien. Wie...
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Forschersinn
Seine Liebe gilt der Alten Musik, ihrer (womöglich) wahren Gestalt. Seit dem Tag im Jahr 1974, als Jordi Savall mit Freunden das Ensemble Hespèrion XX gründete (das inzwischen Hespèrion XXI heißt), sucht der katalanische Musikwissenschafter und Gambist nach den Urklängen, nach dem Historisch-Authentischen. Am 1. August feiert er seinen 80. Geburtstag....
