Zurück von ihm!
Ein Mann. Er schläft. Liegt, friedlich und scheinbar tiefenentspannt, in Morpheus’ Armen und träumt sich seine Welt zurecht, während aus dem Graben heraus, in höchstmöglicher Transparenz und Trennschärfe, das Vorspiel dieser romantischen Oper an ihm vorübergleitet.
Je mehr sich die Musik in einen rauschhaften Zustand hineinsteigert, umso stärker wird auch der auf den Vorhang projizierte Mann (in dem wir den Sänger Klaus Florian Vogt erkennen) von Bildern übermannt, die all das, was er zuvor erlebt hat, neu formatieren, verquicken, verschieben, verdrängen, verzerren und verschatten – hin zu einer Wahrnehmung, in der das Wahre überwölbt wird von der Idee, wie es auch anders gewesen sein könnte: drastischer, direkter. Dieser Schlaf gebiert jene Ungeheuer, die Heinrich Tannhäuser vergessen zu haben glaubte, und es sind gewiss nicht die Glocken, von denen er später spricht, die durch seine Erinnerungen hindurch erklingen. Nein, es sind Bilder der Liebe und Lust, Bilder einer unbeschwerten Kindheit, von liebevoller Berührung und einander verschlingenden Körpern, schließlich: Bilder eines Kusses, der für die Ewigkeit taugen würde.
Ein starker Beginn. Denn das Video von Rūdolfs Baltiņš ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
Eine Frau, zwei Männer – da freut sich der dritte. Jacqueline, Gemahlin des weißbärtigen, dauereifersüchtigen Notars Maître André, ist jung, très chic et très belle, erotisch unausgefüllt, weswegen sie den Avancen des Hauptmanns Clavaroche recht bald im Ehebett nachgibt, bevor sie ihn im Kleiderschrank verstecken muss. Fortunio wiederum, der gerade eine juristische...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Lange her ... In meiner Opernstudiozeit an der Bayerischen Staatsoper. Angela-Maria Blasi als Liù in «Turandot».
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Deutschland sollten wir lieber die bestehenden sanieren/renovieren. Aber klar … Ein Opernhaus auf dem Mond hätte was!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
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