Zu Otello wird man gemacht
Vor zwei Jahren schlug Dmitri Tcherniakovs «Carmen»-Inszenierung in Aix-en-Provence hohe Wellen. Der russische Regisseur und Bühnenbildner hatte Bizets Opern-Blockbuster so radikal umgepolt, dass das Stück bei ihm eigentlich «Don José» heißen müsste. Nicht die Titelheldin, sondern ihr oft als Weichei gezeichneter Lover bildete den Mittelpunkt.
Die Geschichte spielte in einer noblen Psycho-Klinik: Micaëlas ausgebrannter Ehemann soll zur emotionalen Enteisung in einer therapeutischen Versuchsanordnung Don José spielen, rutscht dabei aber mehr und mehr in die Rolle hinein und findet nicht wieder heraus. Der amerikanische Tenor Michael Fabiano machte aus dieser kühnen Regie-These eine erschütternde psychopathologische Fallstudie. Anfangs wechselte er virtuos zwischen Spiel und Ernst, später steigerte er sich furios in mörderischen Wahn – und sang dabei grandios, strahlend, musikalisch hoch differenziert. Eine atemraubende Leistung.
Im Vergleich mit Tcherniakovs Regiepranke ist Bartlett Shers statische «Rigoletto»-Dekoration, die letzte Neuproduktion der laufenden Spielzeit an der Berliner Staatsoper, eine ziemlich blutleere Angelegenheit. Aber der Herzog gehört zu Fabianos ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Regine Müller
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Für die Griechen war es das Paradies auf Erden, noch im Neuen Testament ein Ort des Segens: der Garten Eden. Betrachtet man das Cover des vorliegenden Albums, das dessen Namen im Titel trägt, beschleichen einen Zweifel an der Plausibilität dieses Mythos: Mag die florale Tapete noch die Aura des Naturhaft-Schönen in sich bergen, deutet schon der knorrige Kaktus auf...
Als Teenager wollte sie Harfenistin werden. Die Farbenvielfalt der französischen sinfonischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte es Sandrine Piau angetan – und sie träumte davon, als Instrumentalistin Teil dieses Klangrausches zu sein. Dann aber entschied sie sich doch für ein Gesangsstudium, wurde als Barock-Interpretin bekannt. Nun aber kommt...
