Zerschossene Träume
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen Gegenden kein Marketing, sondern wir stellen uns ganz grundsätzlich die Frage, wie Kultur an den Äußerungen einer Stadt teilhaben kann, etwa an der Allgemeinbildung der Jugendlichen.
Damit befragen wir die eigene Institution nach ihrer Relevanz.»
Auch das Viertel, das unmittelbar hinter dem pompösen Rathaus von Lyon den Hügel hinaufkriecht, war ein klassisches Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil, in dem (westliche) Kultur eher misstrauisch beäugt wurde. Das hat sich geändert. Vor allem mit dem Théâtre de la Croix-Rousse, einem Bau aus den späten 1920er-Jahren, gibt es eine Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater, mit dem der Direktor Jean Lacornerie als Regisseur eigene Erfahrungen hat. Wobei er diesmal auf ein Werk verfiel, das in Frankreich noch nie und in Deutschland nur selten gespielt wurde: Boris Blachers Kammeroper ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
«Tut wu-a yeri enti / Waa wau yeri wenenet.» Schon die Sprache schafft Distanz. Echnaton, der Pharao mit den radikalen Ideen und der unstillbaren Sehnsucht nach dem Licht, preist den Schöpfer der Dinge und des Lebens, der die Menschen mit seinen Augen und die Götter mit seinem Mund schuf, (meist) in altägyptischer Sprache: «Perer en rem em yertif / Cheper netscheru...
Herr Tcherniakov, kürzlich haben Komponisten, Sänger, Regisseure, Bühnenbildner, Operndirektoren und Dramaturgen in Heidelberg einen ganzen Tag lang über «politisches Musiktheater heute» diskutiert. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen? Hat er eine Bedeutung für Ihre Arbeit?
(überlegt lange) Es gab vielleicht mal Zeiten, in denen dieser Begriff wichtig war....
