Zerschossene Träume
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen Gegenden kein Marketing, sondern wir stellen uns ganz grundsätzlich die Frage, wie Kultur an den Äußerungen einer Stadt teilhaben kann, etwa an der Allgemeinbildung der Jugendlichen.
Damit befragen wir die eigene Institution nach ihrer Relevanz.»
Auch das Viertel, das unmittelbar hinter dem pompösen Rathaus von Lyon den Hügel hinaufkriecht, war ein klassisches Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil, in dem (westliche) Kultur eher misstrauisch beäugt wurde. Das hat sich geändert. Vor allem mit dem Théâtre de la Croix-Rousse, einem Bau aus den späten 1920er-Jahren, gibt es eine Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater, mit dem der Direktor Jean Lacornerie als Regisseur eigene Erfahrungen hat. Wobei er diesmal auf ein Werk verfiel, das in Frankreich noch nie und in Deutschland nur selten gespielt wurde: Boris Blachers Kammeroper ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
Ein «Mozart»-Orchester wünschte sich Mauricio Sotelo für Lorca. Kleiner Streicherkorpus (vier Violinen, drei Bratschen, drei Celli, Kontrabass), charakteristisches Holz (zwei Flöten, drei Klarinetten, Oboe und Fagott). Das Blech (zwei Hörner, zwei Posaunen, Trompete) ist um eine Tuba erweitert. Dazu zwei Harfen, Pianoforte (bzw. Celesta), Pauken. Das ist der «alte»...
Lucia Ronchetti ist eine Grenzgängerin. Zwischen den Genres, zwischen den Künsten. Ob sie während der Münchner Opernfestspiele mit Sängern, Schauspielern, Musikern und Passanten über die Ludwigstraße zieht, ob sie bei einem Solostück murmelnde Männerstimmen aus dem Publikum hörbar werden lässt, ob in «Anatra al sale» die titelgebende Ente tatsächlich zubereitet und...
Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes...
