Zeitgenossenschaft
Schon Hölderlins Hyperion ahnte es: Der Mensch ist eine beunruhigend prekäre Einrichtung der Natur, etwas, «das, wie ein Chaos gärt, oder modert, wie ein fauler Baum, und nie zu einer Reife gedeiht». Ähnlich kritisch sieht dies auch Golem XIV, jener Supercomputer, dem der polnische Science fiction-Autor Stanisław Lem 1973 ein intelligent-funkelndes literarisches Denkmal setzte.
Evolutionär betrachtet, erscheint ihm (dem Vertreter einer höheren und objektiven Vernunft) der Homo sapiens sapiens als ein Wesen, das sich, trotz allen Fortschritts, dauerhaft eher auf dem Weg bergabwärts befindet. Warum? Weil sein Streben und Sehnen mit der zusehends defizitären Fähigkeit korreliert, die Dinge der Welt in den Griff zu bekommen. Keine schöne Aussicht, richtet man den Blick nach vorn. Aber eine, über die sich trefflich sinnieren lässt, auch auf der Bühne.
Die Gruppe Kommando Himmelfahrt und der Komponist Kaj Duncan David unternahmen mit ihrem elektronischen Musiktheater «Also sprach Golem» beim diesjährigen Festival «Ultraschall» nun den Versuch, dem Phänomen der schwindenden humanen Erhellung und damit einhergehenden Dominanz künstlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen. Regisseur ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten
Erich Wolfgang Korngold war 18 Jahre alt, als er mit «Violanta» seine erste ernste Oper abschloss, die 1916 in dichtem Abstand in München und Wien zu ihren ersten Aufführungen kam. Das vielleicht Verblüffendste an einer leider immer noch selten möglichen Begegnung mit dem Werk ist, dass man ihm das überhaupt nicht anmerkt. Dabei gibt es im Text wie in der Musik...
Die quasi religiöse Beethoven-Verehrung vergangener Zeiten scheint nicht mehr en vogue, selbst in diesem Jubiläumsjahr. Bereits vor 20 Jahren stellte die FAZ im Zusammenhang mit einer Neuedition von Beethovens Briefwechsel fest, dass der «Klassiker-Kanon an normativem Druck verloren» habe, und damit auch jene «Einschüchterung durch Klassizität», gegen die Brecht...
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar...
