Zappelduster
Sie haben es versucht im Staatstheater Oldenburg. Das muss man anerkennen, auch wenn die Sache szenisch gründlich schief ging, ja zum Ärgernis geriet. Denn «La Dame Blanche» hätte es wahrlich verdient, auf Augenhöhe wiederentdeckt zu werden. Seit 16 Jahren gab es in Deutschland keine neue Inszenierung mehr. Dabei war sie, 1825 uraufgeführt, bis Ende des Ersten Weltkriegs (vielleicht hat man in Oldenburg die Handlung deshalb in diese Zeit verlegt) nicht ohne Grund eine der beliebtesten französischen Opern überhaupt.
Unsichere Zeiten herrschen in François Antoine Boieldieus Partitur. Rhythmische Kühnheiten, exzessive Punktierungen, Unodezimolen und Fünfvierteltakte zählen zu den Abenteuern, die erlebt, wer sich auf die Musik einlässt – ebenso wie wild-chromatische Ausbrüche, die immer wieder die göttlich-diatonische Harmonie gefährden: Alles scheint hier aus den Fugen. Und doch, schreibt Joseph de Maistre, der visionäre Philosoph der Restauration, «il ya un ordre caché», gibt es eine verborgene Ordnung. De Maistres politisches Projekt, nämlich die alte Ordnung im postnapoleonischen Frankreich wieder zur Geltung zu bringen, ist identisch mit dem musikdramatischen dieser Oper: Auch in ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Benno Schirrmeister
Der junge Mozart: unberechenbar, untrüglich, komisch, tiefgründig. Fast schon wie der spätere, in seinen kompositorischen Kniffen nur noch nicht so ausgereift. Die Buffa «La finta giardiniera» kam 2014 in Lille in einer Inszenierung von David Lescot auf die Bühne: stimmungsvoll, ohne überbordenden Gartenzauber, figurennah, kein bisschen besserwisserisch oder...
Nicht nur in Roms Caracalla-Thermen, so viel darf spekuliert werden, auch in den Stadien der Welt dürften sie heute Kreisch-Ovationen auslösen. Farinelli/Senesino/ Carestini, das wäre so etwas wie Domingo/Pavarotti/Carreras in Potenz – für die feinen Kastratenorgane gäbe es ja Mikros und Mischpulte. So absurd mutet es also gar nicht an, dass die...
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.»
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