Zappelduster
Sie haben es versucht im Staatstheater Oldenburg. Das muss man anerkennen, auch wenn die Sache szenisch gründlich schief ging, ja zum Ärgernis geriet. Denn «La Dame Blanche» hätte es wahrlich verdient, auf Augenhöhe wiederentdeckt zu werden. Seit 16 Jahren gab es in Deutschland keine neue Inszenierung mehr. Dabei war sie, 1825 uraufgeführt, bis Ende des Ersten Weltkriegs (vielleicht hat man in Oldenburg die Handlung deshalb in diese Zeit verlegt) nicht ohne Grund eine der beliebtesten französischen Opern überhaupt.
Unsichere Zeiten herrschen in François Antoine Boieldieus Partitur. Rhythmische Kühnheiten, exzessive Punktierungen, Unodezimolen und Fünfvierteltakte zählen zu den Abenteuern, die erlebt, wer sich auf die Musik einlässt – ebenso wie wild-chromatische Ausbrüche, die immer wieder die göttlich-diatonische Harmonie gefährden: Alles scheint hier aus den Fugen. Und doch, schreibt Joseph de Maistre, der visionäre Philosoph der Restauration, «il ya un ordre caché», gibt es eine verborgene Ordnung. De Maistres politisches Projekt, nämlich die alte Ordnung im postnapoleonischen Frankreich wieder zur Geltung zu bringen, ist identisch mit dem musikdramatischen dieser Oper: Auch in ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Benno Schirrmeister
Natürlich ist es reiner Zufall, dass zeitgleich zur Braunschweiger «Peer Gynt»-Premiere in München NS-Kunst aus dem Depot geholt und mit Zeitgenossen konfrontiert wurde. Wird da aus dem Keller heraufgezerrt, was im Rahmen einer (verspäteten) Entnazifizierungsdebatte dorthin verbannt wurde? Auch in Cottbus war Werner Egks Ibsen-Destillat aus dem Jahr 1938 ja...
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.»
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Als im Januar 1962 an der Londoner Covent Garden Opera der Vorhang zu einer neuen «Zauberflöte» unter Otto Klemperers Leitung aufging, waren die Erwartungen hoch – galt seine Einstudierung des «Fidelio» im Vorjahr doch als Offenbarung. Der Mozart aber geriet zur Enttäuschung, vor allem szenisch (der Maestro hatte sich ausbedungen, selbst die Regie zu übernehmen)....
