Wunder gibt es immer wieder
Gemeckert wird immer, überall. Auch im Theater. Da es aber keine Geißen und Böcke sind, die das Saarländische Staatstheater bevölkern, sondern altmodisch gekleidete Lämmlein (des Herrn?), verwandelt sich das Gemecker noch vor dem ersten Ton in gackerndes Geblöke. Durch die Türen schleicht die Prozession der (Statisten-)Tiere gen Bühne, von einer Live-Kamera, die auch die folgenden drei Stunden das Geschehen bildmächtig «dokumentiert», auf eine Leinwand übertragen, nicht ohne den einen oder die andere im Publikum persönlich zu begrüßen.
Ein amüsantes Entrée, das seinen Charme auch noch während der Dur-erfüllten, von Flötengezwitscher, mildtönenden Klarinetten und sehnsuchtsvoll singenden Streichern begleiteten «Morgenstimmung» beibehält. Kaum aber trübt elegisches, über unheilverkündendem Tremolo wohnendes Moll die Ouvertüre zu Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans», verwandelt sich das Bild: Die Dämonen kommen, in Gestalt eines Wolfes, der die Schafe reißen will (dann aber von der alles andere als heiligen Johanna erdolcht wird). Da helfen auch der in Es-Dur getünchte Liebestriumph und die anschließende G-Dur-Pastorale wenig: Die Gefahr, sie lauert. Gewalt ist im Raum, und die Natur, ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
arte
02.06. – 01.20 Uhr
Kaija Saariaho: Innocence
Programmtipp: Das Festival d‘Aix-en-Provence zeigt jedes Jahr eine Uraufführung: 2021 war es Kaija Saariahos Oper «Innocence».
03.06. – 02.30 Uhr
Barenboim dirigiert Beethovens Symphonie Nr. 4
Zum Ausklang des denkwürdigen Jahres 2020 setzte die Staatskapelle Berlin unter der Leitung ihres damaligen Chefdirigenten...
Das erste Bild zeigt eine Amtsstube aus grauer Vorzeit, mit Aktenschränken inklusive staubigen Registern; auf wuchtigen Schreibtischen türmt sich Papier. Emsiges Personal in steifer Bürokleidung des mittleren 20. Jahrhunderts bewegt sich ruckartig, sackt zusammen, richtet sich wieder auf. Dann nehmen die Bewegungen Fahrt auf: Die Frauen wecken erstarrte...
Dieser Nachfolger des großen Caesar übt noch, ein einschüchternder Herrscher zu sein. Zumal das hoheitsvolle Heben des Arms – welches Adolf Hitler knapp zwei Jahrtausende später, antike römische Imposanz imitierend, gar stramm zu perfektionieren suchte – will in seiner Wirkung überprüft sein, um im Einsatz vor den jubelnden Massen dann tunlichst nicht lächerlich zu...
