Wie ein Blitz

Händel: Il trionfo del Tempo e del Disinganno
Moskau | Stanislawski-Theater

Opernwelt - Logo

Inszeniert in Russland ein Schauspielregisseur eine Oper, geht das meist daneben. Würde der vielgerühmte Konstantin Bogomolov hier eine Ausnahme bilden? Bogomolov ist in den letzten sechs, sieben Jahren zu Moskaus Kultregisseur aufgestiegen, seine provokanten, sozialkritischen Arbeiten am Künstler-Theater begeistern ein breites Publikum. Für Anton Getman, den neuen Intendanten des Stanislawski-Theaters, Grund genug, ihn an sein Haus zu bitten – für Händels «Il trionfo del Tempo e del Disinganno».

Bogomolov entschloss sich, das Oratorium in zwei Teile zu zerlegen.

Im ersten stürzen entsetzliche Bilder aus dem russischen Alltag auf den Zuschauer ein: die Ermordung eines Mädchens durch den besessenen Kannibalen Tschikatilo, Anfälle kranker Kinder, eine grausame Adoptivmutter, das leidenschaftliche Gebet eines frisch rekrutierten muslimischen Selbstmordattentäters vor der Explosion. All das ist kaleidoskopartig dargestellt, wobei die Aufeinanderfolge der Episoden von der inneren Logik der Assoziationen diktiert wird.

Die Übertitel geben eine geschönte Übersetzung des Librettos (der Verfasser: Wladimir Sorokin) wieder, während Bildschirmtexte an den Seiten das Geschehen detailliert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alexej Parin

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tragödientauglich

Vorhang auf. Gemüseschnippeln in der Küche eines asiatischen Restaurants, passgenau dazu perkussive Klänge aus dem Orchestergraben wie zu einer Kochshow: Da lacht das Koblenzer Publikum. Wer jedoch 2014 die Frankfurter Uraufführung von Peter Eötvös’ «Der goldene Drache» auf das gleichnamige Schauspiel von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, weiß: Dieses Lachen ist...

Flieg, Adler, flieg!

Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...

Schachtelkopfkino

Man sieht, was Rainer Sellmaier jetzt für Tobias Kratzers «Hoffmann» gebaut hat, immer häufiger: das Verkasteln des Bühnenraums in simultane Spielorte. Das ist gut, wenn es um die szenische Analyse eines mehrschichtigen Geschehens geht. Dass Offenbachs und Barbiers Hoffmann-Komplex zu diesen Stücken zählt, daran kann kein Zweifel bestehen. Schade bloß, dass wir...