Wespe, komm!

Juliet Fraser brilliert mit Stücken für Stimme von Chaya Czernowin, Enno Poppe, Beat Furrer und Rebecca Saunders

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What of words and what of song», was es heute mit den Worten und was mit dem Gesang auf sich hat, fragt eine neue CD des auf Avantgardemusik spezialisierten Labels NEOS. Die klare Antwort gibt die exzellente, nur in Spezialistenkreisen bekannte britische Sopranistin Juliet Fraser mit sechs in ihrer kompositorischen Reduktion radikal minimalistischen Vokalkompositionen von Chaya Czernowin, Beat Furrer, Enno Poppe und Rebecca Saunders. Die Worte implodieren im unermesslichen Raum des jeglicher Bedeutung entzogenen Sprachmaterials.

Der Gesang selbst wird zu einem widerspenstigen, alle Artikulationsmöglichkeiten der Stimme einschließenden Rezitationsstrom bis hin zum gänzlichen Verstummen. Das Zerlegen der Sprache, ihre Entsemantisierung und die instrumentale Behandlung der Stimme bedingen sich dabei gegenseitig, wie sich an den beiden Extrembeispielen des faszinierenden Programms, Czernowins «Studie für Solostimme und Atem» und Poppes gleichsam in den Mund der Sängerin eingeschlossener «Vertonung» von Marcel Beyers Gedicht «Wespe, komm» zeigt.

Czernowin geht dabei in ihrer von einer Blume angeregten «Studie zur Fragilität», in der sie ein sanftes, stimmloses Atmen und zarte, kaum ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 54
von Uwe Schweikert

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