«Pinocchio». Foto: Patrick Berger/Festival
Wer die Freiheit angeschaut mit Augen
Es ist ein großes Wort, kaum gelassen auszusprechen. Singen jedoch lässt sich von der Freiheit leichter, zumal auf einem mediterranen Maskenball, mit Pauken und Trompeten, Klarinetten und Oboen, Flöten, Fagotti und Streichern. Fünf Kehlen entspringt, im enthusiastischen C-Dur, der Appell des ersten «Don Giovanni»-Finales: «Viva la libertà!».
Bernard Foccroulle hat ihn, aufs Hauptwort verkürzt, seiner letzten Saison an der Spitze des Festivals von Aix-en-Provence vorangestellt – als Imperativ einer weit über die Französische Revolution hinausreichenden Geisteshaltung, die sich wie ein Ariadnefaden durch die aufgeführten Werke zieht. Nicht nur Mozarts maliziös-metaphysisches Musiktheater, auch Cavallis «Erismena», Bizets «Carmen», Strawinskys «The Rake’s Progress» und – als Uraufführung – Philippe Boesmans’ «Pinocchio» kreisen um die Frage, wann, wie, weshalb, wodurch ein Mensch sich nicht nur frei fühlen, sondern es womöglich sein kann.
Boesmans: «Pinocchio»
Ein Rilke-Wort tritt uns in den Sinn, es stammt aus seinem Gedicht «Archaïscher Torso Apollos»: « ... denn da ist keine Stelle, / die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.» Gut gesagt. Doch ist das so einfach? Kann der ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Das Theater Hagen hat auch in der nächsten Saison einen Spielplan. Nach dem kulturpolitischen Chaos der vergangenen Jahre ist das eine gute Nachricht. Es gibt weiterhin ein kleines Opern- und Ballettensemble, Verdis «Aida» wird zwar nur konzertant gespielt, dafür präsentiert das Haus mit Jony Talbots Einakter «Everest» sogar eine europäische Erstaufführung....
Götz Friedrich war fassungslos. Nein, das könne doch nicht wahr sein. Das sei eine Falschmeldung. Catarina Ligendza habe mit dem Singen aufgehört? So plötzlich? Mitten heraus aus den größten Erfolgen ihrer Laufbahn? Der mächtige Intendant und Regisseur, damals ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wusste genau, was das bedeutete – für seine «Ring»-Produktion...
Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August in Kronstadt, auf der Petersburg vorgelagerten Ostseeinsel Kotlin. Der Ort ist als Schauplatz des Kronstädter Matrosenaufstands in die Geschichte eingegangen: Im Frühjahr 1921 forderten die Aufständischen unter dem Motto «Alle Macht den Sowjets – Keine Macht der Partei» die Rücknahme der Einparteiendiktatur und eine...
