Laboratorium der Gefühle

Constantin Trinks und Christof Loy legen am Theater an der Wien das psychologische Kammerspiel in Webers ungeliebter «Euryanthe» frei

Er hat es geschafft, wieder einmal. In einem unmöglichen, halb verunglückten, krausen Kunstwerk den zeitlos gültigen Kern freizulegen. Zu jenen verborgenen Kräften vorzudringen, die von Anbeginn die menschliche Existenz befeuern – im Guten wie im Schlechten. Liebe und Hass, mit allen Zwischentönen – das ist das große, nie erledigte Thema, dem sich Christof Loy aussetzt, seit er vor bald drei Jahrzehnten mit Mozarts «Zauberflöte» in Stuttgart seine erste Oper inszenierte.

Warum tun Menschen sich Gewalt an? Wie kommt es, dass beste Absichten so oft zu Angst, Schrecken und Zerstörung führen? Was sollte, was kann man tun, um das Schlimmste zu verhindern? Loy stellt Überlebensfragen, und er führt sie bei jedem neuen Stück, mit dem er sich beschäftigt, gleichsam auf den Nullpunkt zurück. Bis, um ein Wort von Klaus Zehelein zu paraphrasieren, Text und Noten  die Augen aufschlagen, ihr Untergründiges, Unbewusstes zutage tritt.

Natürlich ist das alte Schule: forschende Sinnstiftung durch Tiefenbohrungen mit philologisch-psychologischem Feinbesteck, Versenkung des Selbst in die Eigenwelt der überlieferten Stoffe, Motive, Klänge, Figuren. Loy versteht sich nicht als Autor, der Sperriges, ...

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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann