Wasser- und Feuerprobe
Auf einem Kritiker-Forum, das während der Aufführungszeit des «Ring des Nibelungen» in Adelaide stattfand, stellte ein Teilnehmer – wo, wenn nicht in Australien! – die Frage, ob die «Ring»-Tetralogie die «Olympiade der Oper» sei. Dabei entging dem Fragesteller offenbar, dass im Logo der Olympischen Spiele fünf Ringe prangen.
Und doch schien die Frage nicht allzu abwegig, greift Elke Neidhardts neue Produktion das sportliche Thema doch kühn auf, indem Bühnenbildner Michael Scott-Mitchell Brünnhildes flammenden Felsen aus eben jenem denkwürdigen Kessel schmiedete, den er für das olympische Feuer der Spiele des Jahres 2000 in Sydney entworfen hatte. Überhaupt brachte die Teamarbeit eine Fülle von Ideen hervor, die diesen neuen «Ring»-Zyklus zu einem Meisterwerk der Phantasie und des technischen Wagemuts werden ließ.
Zu Beginn des «Rheingold» erstreckt sich über die gesamte Bühnenbreite eine Wand, an der, indirekt beleuchtet, Wasserströme in verlockend glitzernden Kaskaden sanft herabfließen. Vor diesem Hintergrund necken die äußerst beseelten Rheintöchter den erotisch aufgeladenen Alberich John Wegners mit einem derartigen Temperament, dass dessen Liebesentsagung wahrhaft ...
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Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von John Carmody,Übersetzung: Marc Staudacher
Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichtslose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...
Mit seinen beiden Überblicksdarstellungen zur Sozialgeschichte des Jazz und der klassischen Musik im Dritten Reich hat der kanadische Sozialhistoriker Michael H.Kater – zumindest in Deutschland – gewaltig Staub aufgewirbelt. Nun schließt er seine Beschäftigung mit acht Fallstudien über Komponisten der Nazi-Zeit ab. Dass es sich dabei nicht um «Komponisten im...
Eine weise Entscheidung, als erste Oper im wieder aufgebauten Teatro La Fenice die «Traviata» zu bringen; das Stück hat hier Heimrecht wie kein anderes. Als Verdi es 1853 am selben Ort herausbrachte, verlangte er gemäß der literarischen Vorlage von Dumas, dass die Handlung die Gegenwart abbilden und die bigotte Standesgesellschaft seiner Zeit bloßstellen solle....
