Was nicht gelebt werden darf
«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was folgt, ist eine Rückblende. Eva-Maria Höckmayr erzählt Wagners beliebteste, heikelste Oper aus der Retrospektive. Dabei zieht sie die Pole eng zusammen.
Was im Venusberg passiert, ist all das, was man in der grauschwarz-neutralen Wartburggesellschaft nicht denken, aussprechen oder gar ausleben darf. Der Venusberg bleibt folglich Phantasmagorie: Gläubige geißeln sich stöhnend in Lustschmerz, eine junge Frau wird ans Kreuz gebunden, eine Madonna zeigt Brüste, gierige Männerhände zucken, Videos und Bühnenaktion wirbeln durcheinander. Venus – in Rot, was sonst – steigt aus einem Beichtstuhl. Elisabeth – in Weiß, was sonst – ist dagegen eine reale Figur. Sie lebt – und leidet an weltfremden Weltweisen, die eine liebesferne Minne besingen und dabei Geist und Gier trennen. Doch trägt nicht Landgraf Hermann anfangs einen roten Anzug? ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Stephan Mösch
Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun...
Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davongetragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...
Verdis «Nabucco» ist eine Ansammlung starker Statements: Kampf der Kulturen, mosaisches Gesetz gegen Götzendienst, Liebe gegen Staatsraison, Machterschleichung und Apostasie – ein Knäuel von Handlungsfäden, jeder für sich ein ganzer Opernstoff, verpackt in emotional aufgeladene Gesangsnummern, mit mächtigen Chören dazwischen. Roland Aeschlimann, verantwortlich für...
