Wahn, überall nur Wahn
Angela Merkels öffentliches Bekenntnis, sie lese in Zeiten neu gewonnener Freiheit vor allem Shakespeare und insbesondere dessen «Macbeth», hat zu Spekulationen darüber geführt, warum sie gerade dieses düstere Drama bevorzugt.
Wollte sich die Altkanzlerin noch einmal vor Augen führen, wie Macht funktioniert?
Was ein fehlgeleiteter Wille zur Macht in Menschen anzurichten vermag? Dient ihr «Macbeth» als eine Parabel über die Abgründe, in welche die Protagonisten der Herrschaft stürzen? Oder liebt sie schlicht den Schauder, der von diesem Stück ausstrahlt?
Antworten auf diese Fragen wird es nicht geben, Merkel ist in ihrem Metier vielleicht die größte Meisterin des Unverbindlich-Vagen, damit hat sie sich 16 Jahre an der Macht gehalten, ohne je in Gefahr zu geraten, diese zu verlieren. Spannend wäre nur, zu erfahren, ob die geübte Bayreuth-Besucherin auch Verdis Vertonung lieben würde. Gelegenheit dazu hatte sie im Juni. Die Deutsche Oper am Rhein zeigte an ihrem zweiten Spielort, dem Theater Duisburg, Michael Thalheimers «Macbeth»-Inszenierung, die vor drei Jahren in Antwerpen herausgekommen war – mit anderen Sängerinnen und Sängern, einem anderen Orchester (den Duisburger ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ob ich geweint habe, weiß ich nicht mehr, aber tief beeindruckt, erschüttert hat mich Chaya Czernowins «Infinite now» 2017 am Nationaltheater Mannheim. Sehr bewegt hat mich auch Halévys «La Juive» in der Regie von Lydia Steier (Staatsoper Hannover 2019).
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In der Wüste – zum Beispiel in...
Allein der erste Satz: zauberhaft. Lakonisch, poetisch, direkt. «Da ist er.» Und dann sein Name. «Herr Harald». Herr Harald hat keinen Nachnamen, aber eigentlich hat er auch keinen Vornamen. Er ist eben – «Herr Harald». Er selbst nennt sich einen Opernliebhaber, aber das ist ein wenig untertrieben, weil Herr Harald von der Musik, die er hört, doch mehr versteht,...
Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt...
