Wagner und mehr
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie einfangen kann. Kings gaumiger, kerniger Klang in der tiefen Lage war kein Knödel, sondern Bestandteil eines natürlich gewachsenen Timbres, sonst wären dem Tenor Partien wie Manrico oder Radames gar nicht möglich gewesen.
Die karge Diskografie seiner italienischen Partien wird nun vom Label Orfeo durch Ausschnitte aus «Otello» ergänzt. Wie bei den anderen Takes mit Wagner- und Strauss-Szenen handelt es sich um Mitschnitte von Münchner Rundfunkkonzerten. In seinen Memoiren erklärt King, Otellos Tod sei das Wichtigste in Otellos Leben: der Moment nämlich, wo er erkenne, dass Desdemonas Tod weniger die Folge einer Intrige ist, als vielmehr die seiner eigenen Charakterschwäche. Aus dieser Einsicht in ein Verantwortungsgefühl gestaltet King denn auch die Szene des vierten Aktes: Trauerflor ohne Selbstmitleid. Die anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Teatro Colón in Buenos Aires spielten die Werke Richard Wagners schon immer eine wichtige Rolle. Über Jahrzehnte gastierten zahlreiche bedeutende Wagner-Interpreten in der argentinischen Hauptstadt: Felix Weingartner, Erich Kleiber, Fritz Busch, Erich Leinsdorf, Otto Klemperer, Fritz Reiner; Kirsten Flagstad, Astrid Varnay, Frida Leider, Birgit Nilsson,...
Drei Jahrzehnte ist es nun her, dass Hans Werner Henze das «Cantiere Internazionale d’Arte» ins Leben rief. Im Sommer 1976 fanden die ersten Veranstaltungen in Montepulciano statt. Damals waren Riccardo Chailly und Volker Schlöndorff zu Gast. Ferner bemühte man sich intensiv um die «Volksbildung». Der Geiger Jesse Hawkins spielte Bach-Partitas für Bauarbeiter, und...
Max Reinhardt gehört zu Salzburgs Gründervätern. Dennoch musste man, wie so oft schon, bei den Bregenzer Festspielen an einen seiner Aussprüche denken. Nördlich von Verona, hat er einst sinngemäß befunden, solle man mit Freiluft-Aufführungen zurückhaltend verfahren. Weiß Gott, ruft man sich den Premierentag des Spiels auf der Seebühne ins Gedächtnis. Den ganzen...
