Wagner und mehr

Opernwelt - Logo

Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie einfangen kann. Kings gaumiger, kerniger Klang in der tiefen Lage war kein Knödel, sondern Bestandteil eines natürlich gewachsenen Timbres, sonst wären dem Tenor Partien wie Manrico oder Radames gar nicht möglich gewesen.

Die karge Diskografie seiner italienischen Partien wird nun vom Label Orfeo durch Ausschnitte aus «Otello» ergänzt. Wie bei den anderen Takes mit Wagner- und Strauss-Szenen handelt es sich um Mitschnitte von Münchner Rundfunkkonzerten. In seinen Memoiren erklärt King, Otellos Tod sei das Wichtigs­te in Otellos Leben: der Moment nämlich, wo er erkenne, dass Desdemonas Tod weniger die Folge einer Intrige ist, als vielmehr die seiner eigenen Charakterschwäche. Aus dieser Einsicht in ein Verantwortungsgefühl gestaltet King denn auch die Szene des vierten Aktes: Trauerflor ohne Selbstmitleid. Die anderen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 17
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zartes und Derbes

Jetzt allmählich kann ich wirklich dirigieren; jetzt weiß ich, wie man umsetzt, was man innerlich hört.» So lautete Wilhelm Furtwänglers Geständnis nach seiner Salzburger «Zauberflöte» im Sommer 1949. Die originalen Rundfunkbänder des «Zauberflöten»-Mitschnitts gingen verloren, wohl aber blieben einige technisch unbefriedigende Kopien erhalten, die immer wieder in...

Meister des Legato

Ein fast unbemerkter Abschied: Piero Cappuccillis letzter Auftritt in Berlin, Ende der neunziger Jahre in der Philharmonie, bei einem skurrilen Konzert, das ein ehemaliger Tänzer der Deutschen Oper arrangiert hatte. Der versuchte sich als Konzertveranstalter und ging auf Bauernfang: «Erleben Sie die Stars der Mailänder Scala», stand auf den Plakaten. Der Einzige,...

Zu Schiller, dem Dichter, schlich Schubert, Noten im Kopfe

Nicht gerade mit überschäumender Emsigkeit, doch im einzelnen Fall mit großem Engagement beschäftigen sich die Opernhäuser mit den Bühnenwerken Franz Schuberts. Seit der denkwürdigen «Fierrabras»-Auffüh­rung 1988 am Theater an der Wien, in Ruth Berghaus‘ Inszenierung, von Claudio Abbado dirigiert, haben mehrere Operntheater sich des Werkes angenommen, etwa Zürich...