Wagner: Tristan und Isolde
Anfangs wollt‘ man fast verzagen. Es war, als entfalte sich das Vorspiel zu «Tristan und Isolde» bei Marko Letonja und dem Sinfonieorchester Basel nicht recht. Zu viel Stückwerk, keine Linie – vor allem aber: kein Sehnen, keine Not, kein Geheimnis und um jenen Tick zu rasch, der verhindert, dass man sich in Richard Wagners Ausdruckswelt einnisten kann. Dafür allerdings und das den ganzen Abend über: eine ganz klare Draufsicht, nichts verschwiemelt.
Dann, mehr und mehr: doch eine große lyrische Dringlichkeit, die nächtlichen Klangwunder aufs Empfindsamste ausgekundschaftet, nachgerade magische Pianissimi und nicht zuletzt tobende Orchesterkonvulsionen, ohne dass den Sängern ein Leids geschieht.
Richard Decker ist mittlerweile ein Tristan, der seine lyrische Vergangenheit nahezu bewahrt und in den mörderischen Rasereien erheblich zuzulegen hat. Dazu eine Isolde mit vielen Voraus-Elogen: Annalena Persson hat den jugendlich leuchtenden Sopranfuror, klingt in den – explosiv herausgeschleuderten – Ausbrüchen bisweilen aber noch spitz und wird die entscheidenden inhaltlichen Akzente noch «bringen» lernen. Brigitte Pinters manchmal etwas säuerliche Brangäne ist solide, Bjorn ...
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Sie sind der Schrecken jedes Kostümbildners: Die textile Variationsbreite in Francis Poulencs «Gespräche der Karmeliterinnen» beschränkt sich in der Regel auf den Zuschnitt des Nonnenhabits. Dass ausgerechnet am Schweriner Theater an dieser Werkkonvention gerüttelt werden würde, war kaum zu erwarten: Angesichts einer nach wie vor prekären finanziellen Zukunft...
Es war in Leipzig, als Richard Wagner im Juni 1835 gegenüber seinem Freund Theodor Apel bekannte: «Hinweg aus Deutschland gehöre ich!» Noch deutlicher wurde er am 22. September 1835: «Ich komme nie wieder nach Leipzig.» Mendelssohn wurde gerade zum Gewandhauskapellmeister gekürt. Wagner hat zwar, seit er die Stadt 1834 endgültig verlassen hatte, immer wieder...
Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein...
