Wagner: Siegfried
Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig einem Regisseur dazu einfallen kann, ist jetzt in Wiesbaden zu sehen.
Im dritten Teil von John Dews «Ring»-Deutung gibt es erwartungsgemäß wieder einige knallige Ideen: Fafner tritt in Dews kriegerischer «Ring»-Welt gleich als Mensch im Panzer auf, hinter dem Bären des ersten Bildes verbirgt sich der von Anfang an zuhörende Wanderer. Doch wie schon in der «Walküre» geht ihm in der Personenführung außerhalb der sich von selbst beschleunigenden Szenen gründlich die Luft aus. Manches Schlaglicht macht richtig Spaß: Jung-Siegfried ist ein unbefangener Hippie, der zum Mord an Fafner noch ein Sträußchen Blumen mitbringt, Erda schlüpft im überprallen Nackedeikostüm aus der Weltesche, gleich beim ersten Schmiedeversuch erschafft sich Siegfried statt eines stattlichen Schwertes ein veritables Springmesser. Doch das Ende bricht dem ...
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Eine weise Entscheidung, als erste Oper im wieder aufgebauten Teatro La Fenice die «Traviata» zu bringen; das Stück hat hier Heimrecht wie kein anderes. Als Verdi es 1853 am selben Ort herausbrachte, verlangte er gemäß der literarischen Vorlage von Dumas, dass die Handlung die Gegenwart abbilden und die bigotte Standesgesellschaft seiner Zeit bloßstellen solle....
«Parsifal» in Koblenz: Nur die Nennung der Kombination des sehr kleinen Hauses mit dem sehr großen Werk könnte verschiedene Reaktionen wecken. Zunächst das unermüdliche Interesse der reisefreudigen Wagnerianer, die auch abseits der Opernzentren ihrer Passion frönen. Unglauben vielleicht, ob ein kleines Dreispartentheater den «Parsifal» im engmaschigen Spielplan...
Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als Generalmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Worin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...
