Von Rosen begraben
Der Regisseur Felix Rothenhäusler setzt für seine Stuttgarter Inszenierung von Jules Massenets «Werther» auf die nicht unbedingt grundstürzende Idee einer Ineinssetzung der Bühne mit dem Auditorium, eine ästhetische Unio mystica. Rothenhäusler, Jahrgang 1981, hat Massenets Werk schon 2016 in Bremen inszeniert, für die Staatsoper Stuttgart legt er eine entschieden kondensierte Fassung vor: Alle Nebenfiguren sind gestrichen, was musikalisch bruchlos aufgeht. Alles Dekor und Requisiten wie Brief und Pistolen sind verzichtbar.
Der hochgefahrene Orchestergraben wird zum Schauplatz: Auf einer transluzenten weißen Scheibe umkreisen sich die Protagonisten bis zur Ermüdung. Dahinter ist das Orchester auf der Hauptbühne platziert. Das ist die alleinige szenische Setzung neben den prominent sichtbar über dem Orchester hängenden Reihen der Beleuchtungsbrücken.
Im Orchester sind die Pultabstände großzügig bemessen und so mit aktuellen Hygiene-Vorgaben konform. Der Kontakt zwischen Musikern und Sängern ist dabei kein Problem, die Koordination innerhalb des Orchesters scheint aber nicht ideal. Sind es die Abstände zwischen den Pulten, die weiträumige Akustik durch das nach oben offene ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Götz Thieme
Mit Lullys «Cadmus et Hermione» begann die Geschichte der Tragédie en musique, der großen französischen Oper. Jean-Baptiste Lully und sein Textdichter Philippe Quinault vereinigten 1673 mehrere Theatergenres zu einer neuen Gattung, die sich in Frankreich rund 100 Jahre zu behaupten vermochte.
Die klassische Tragédie en musique, ein alle Register der Bühnenkunst...
Mit einem enormen Programm spielt das Festival d’Aix-en-Provence wieder vor vollen Rängen: Simon Rattle beleuchtet Wagners «Tristan» ganz neu und wird anstelle von Simon Stone zum eigentlichen Regisseur. Dafür findet der australisch-schweizerische Regisseur beeindruckende Bilder für Kaija Saariahos fünfte Oper «Innocence», die er gemeinsam mit Susanna Mälkki aus...
Herr Karaman, der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks schreibt in seinem wunderbaren Buch «Marxistische Hinsichten», Kunst sei nicht für die Utopien zuständig, sondern für die realistische Darstellung der Welt; man müsse zeigen, was ist. Ist das eine Idee, mit der Sie etwas anfangen können?
Unbedingt! Das ist mir sogar sehr nahe. Denn die Arbeit am Theater...
