Vom Süden lernen
Frau Carp, gibt es so etwas wie einen Leitgedanken, der die von Ihnen konzipierten Programme der Ruhrtriennale trägt?
Ja. Ich habe ihn «Zwischenzeit» genannt. Das ist kein Motto, sondern ein offener Begriff, der die Umbrüche, Unsicherheiten und starken gesellschaftlichen Veränderungen beschreibt, die auf uns zukommen und die wir teilweise schon erleben. Aber er beinhaltet auch die Aufforderung und die Chance, die Entwicklung mitzubestimmen und mitzugestalten – angstfrei, neugierig und produktiv.
Trauen Sie den Künsten zu, dass sie dabei behilflich sein können?
Künste wecken, wenn sie gut sind, immer eine Sehnsucht nach anderen Formen des Daseins.
Es fällt auf, dass, zumindest in Ihrer ersten Spielzeit, keine Oper auf dem Programm steht.
Es ist nicht – und war auch nie – Aufgabe der Ruhrtriennale, Repertoirewerke zu produzieren. Es gibt ja in Nordrhein-Westfalen viele Opern-, Schauspiel- und Konzerthäuser, die den Kanon pflegen. Wir sollten uns auf Dinge konzentrieren, die in diesen Häusern nicht möglich wären. Ich habe die Ruhrtriennale immer als einen Ort des Experiments empfunden, als einen Spiegel, der auch den permanenten Wandel in dieser durch Bergbau und Schwerindustrie ...
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Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...
Oft gleicht die Musikgeschichte einem Sommer in südlichen Ländern: Es blendet die Sonne, die Schatten sind tief. Deutlich sieht man jene, die im Licht steh’n. Die im Schatten erkennt man erst, wenn das Auge sich ans Dunkel gewöhnt. Dies gilt wohl – seinem Namen völlig widersprechend – auch für den Komponisten Hans Sommer (1837-1922), der bereits am Ende seines...
Herr Pérez, wie kamen Sie zur Musik?
Ich begann als Autodidakt, als einziger Musiker in der Familie. Mein Vater war Grafikdesigner, meine Mutter Yogalehrerin. Schon im frühesten Alter erkannten meine Eltern, dass ich eine besondere Neigung für klassische Musik hatte. Bevor ich Klavier spielen lernte, konnte ich bereits Noten lesen. In den Buchhandlungen an der...
