Vom Schlag getroffen
«Wie kriegt man die Empathie wieder in die Köpfe», fragte Stephan Kimmig, der Schauspielregisseur, vor einem halben Jahr in der Wochenzeitung «Die Zeit». Wie aktiviert man das Mitfühlen der Menschen, elementare Emotionen? Vielleicht hat Kimmig, Jahrgang 1959, auch deshalb zur Oper gefunden – Nikolaus Bachler, Münchens Opernchef, hat ihn vom schauspielerischen Potenzial der Oper überzeugt.
Mit Mozarts dramma giocoso geht Kimmig aufs Kunstganze: Zu Beginn der Ouvertüre und auch ganz am Ende steht ein klappriger alter Mann nackt auf der Bühne und zittert wie Espenlaub – Giovannis zerbrochenes Alter Ego oder Metapher der sterbenden Menschheit?
Kimmig will Oper nicht durch Vorherrschaft der Bilder. Er sei kein «Bebilderungsregisseur», sondern einer, der ein Stück über die Figuren konzipiert. So lebt und bebt sein «Don Giovanni» in einer wild trashigen Ausformung des Personals wie des Raums. Bühnenkünstlerin und Ehefrau Katja Haß hat die weit aufgerissene Bühne vollgestellt mit hässlich riesigen Containern, deren Rotation auf der Drehbühne allerlei spielzeughafte Guckkastenaspekte öffnet.
Die Gefühlskonflikte spitzt Kimmig scharf an, zeigt das Personal in keifendem Streit miteinander – ...
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Es ist ein eifersüchtiger, unnahbarer, grausamer Gott, den die Menschen vor der Aufklärung zu fürchten hatten: jenen mit der eisernen Maske. Auch die Gedichte von John Donne (1572-1631), dem englischen Mystiker, künden von der Furcht vor Verdammnis wie von einer vagen Hoffnung auf Vergebung. Benjamin Britten vertonte sie 1945 nach der Uraufführung seiner Oper...
Frau Gens, glauben Sie wie ich, dass Frauen die Launen des Schicksals besser aushalten können, weil sie stärker sind als Männer?
Ich weiß nicht, ob sie stärker sind. Aber es ist richtig, dass die Zahl der Frauen, die tragische Dinge erleben, die verzweifelt sind, von ihren Ehemännern oder Geliebten verlassen werden oder sogar sterben, sehr groß ist. Und es ist...
