Volles Risiko
Ende Januar bezog die Freie Volksbühne Frankfurt am Main im Großen Hirschgraben ein festes Quartier. Und zur Eröffnung gab es eine neue Version von Heinrich Hoffmanns «Struwwelpeter» – Theater für Kinder mit ihren Erwachsenen, dazu drastische, teils ironische, teils makabre Musik von Uwe Dierksen, Christian Hommel und Hermann Kretschmar, alle Mitglieder des Ensembles Modern. Ganz neu ist es nicht, dass die Gruppe, die neben dem Klangforum Wien und dem Ensemble Intercontemporain jahrzehntelang zu den Platzhirschen der Avantgarde in Donaueschingen gehörte, neue Musik zu Kindern bringt.
Schon im vergangenen Jahr beschäftigte sich «Lullaby Experience» von Pascal Dusapin mit Kindheitserfahrungen. Und das Ensemble Modern war mittendrin, als Eltern mit ihren Kindern zusammenkamen und Wiegenlieder sangen, die später zu einem eigenen Kunstwerk verarbeitet wurden.
«Glücklicherweise ist die Zeit vorbei, wo die Neue Musik sich abschotten muss von aller Historie», erzählt der Geschäftsführer des Ensembles, Christian Fausch; auch das Lebensweltliche muss nicht mehr als heteronomer Rest ausgesperrt werden aus dem Kunstwerk, das nur in seiner Verpanzerung gegen den totalen ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Jan Brachmann
Die Lieder Ludwig van Beethovens, immerhin knapp 90, haben in seinem Œuvre nicht den gleichen Stellenwert wie die Symphonien, die Sonaten oder die Streichquartette. Viele von ihnen sind Juvenilia, nur wenige zentral für seine Musiksprache. Nach Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey, Nicolai Gedda und Peter Schreier haben sich nur wenige Sänger für sie eingesetzt...
Kurioser als die Gesangskarriere der amerikanischen Sopranistin Eileen Farrell (1920-2002) ist im 20. Jahrhundert wohl keine verlaufen. Begonnen hat sie mit einer eigenen Radioshow im CBS-Rundfunk, geendet ist sie als Blues-Sängerin mit populären Alben. Dazwischen liegen Triumphe als Konzertsängerin und weniger erfolgreiche Opernauftritte an der New Yorker Met....
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit ist aus den Fugen. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Städte und Länder den Shutdown erleben, dass Theater schließen, Opern nicht mehr spielen, Tänzer nicht mehr tanzen; jedenfalls nicht mehr öffentlich auf der Bühne, sondern bestenfalls im Streaming.
Menschenleben stehen «zur Disposition», wenn nicht mehr allen...
