Volles Risiko

Seit 40 Jahren lebt und wirbt das Frankfurter Ensemble Modern für die Musik unserer Zeit. Ohne Scheuklappen, aber auch ohne Sicherung. Weil sie nicht mehr auftreten können, stehen nicht nur die Mitglieder der Gründergeneration vor dem Abgrund

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Ende Januar bezog die Freie Volksbühne Frankfurt am Main im Großen Hirschgraben ein festes Quartier. Und zur Eröffnung gab es eine neue Version von Heinrich Hoffmanns «Struwwelpeter» – Theater für Kinder mit ihren Erwachsenen, dazu drastische, teils ironische, teils makabre Musik von Uwe Dierksen, Christian Hommel und Hermann Kretschmar, alle Mitglieder des Ensembles Modern. Ganz neu ist es nicht, dass die Gruppe, die neben dem Klangforum Wien und dem Ensemble Intercontemporain jahrzehntelang zu den Platzhirschen der Avantgarde in Donaueschingen gehörte, neue Musik zu Kindern bringt.

Schon im vergangenen Jahr beschäftigte sich «Lullaby Experience» von Pascal Dusapin mit Kindheitserfahrungen. Und das Ensemble Modern war mittendrin, als Eltern mit ihren Kindern zusammenkamen und Wiegenlieder sangen, die später zu einem eigenen Kunstwerk verarbeitet wurden.

«Glücklicherweise ist die Zeit vorbei, wo die Neue Musik sich abschotten muss von aller Historie», erzählt der Geschäftsführer des Ensembles, Christian Fausch; auch das Lebensweltliche muss nicht mehr als heteronomer Rest ausgesperrt werden aus dem Kunstwerk, das nur in seiner Verpanzerung gegen den totalen ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Jan Brachmann

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