Visconti lässt grüßen
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen Kurzroman beruht.
Die Nähe zum Film freilich ist offenkundig: Komponist Marco Tutino und sein Librettist Giuseppe di Leva konnten der Versuchung nicht widerstehen, sich an Luchino Viscontis meisterhaftem Opus von 1954 zu orientieren. Im Grunde verschmilzt die Oper Romanvorlage und Film zu einer Art Palimpsest, in dem patriotische Gefühlsregungen italienischen Schankmädchen vorbehalten sind – und Roberto Donà, einem naiven jungen Adelsspross. Derweil legt der alte Graf Serpieri standesgemäßen Opportunismus an den Tag und arrangiert sich mit Veränderungen, denen er ohnehin nicht entkommen kann.
Jenseits von Viscontis Bearbeitung des hochdramatischen Loyalitätssujets (dem zentralen Konflikt der meisten Seria-Handlungen) folgt die Oper Boitos zynischem Blickwinkel, der sich auf die sexuellen Gelüste der Gräfin Livia Serpieri ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In schweren Zeiten sehnt sich der leidende Mensch nach ein wenig Heiterkeit. Das Kino war im Zweiten Weltkrieg dafür das ideale Medium. Doch auch die Musik könnte helfen. Anno 1940 schrieb Serge Prokofjew seine «lyrisch-komische» Oper «Die Verlobung im Kloster» nach der Komödie «The Duenna» von Richard Brinsley Sheridan (1775). Die zweite Frau des Komponisten, Mira...
Herr Konwitschny, Sie sind in Berlin an der Hanns-Eisler-Hochschule ausgebildet worden, haben viele Jahre bei Ruth Berghaus assistiert, bei Joachim Herz. Sie sind also, wenn ich so sagen darf, als Regisseur in der DDR sozialisiert worden. Der große Durchbruch kam im Westen – mit Arbeiten in Graz, Hamburg, Stuttgart, München. Hat dieser Erfolg mit dem zu tun, was...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
