Verpasste Chancen
Laut Michael Spitzer, Autor des vielbeachteten Buches «The Musical Human», das im vergangenen April erschienen ist, geht die Geburt des Rhythmus 165 Millionen Jahre zurück; vor 66 Millionen Jahren erschien die erste Melodie, und 40.000 Jahre sind vergangen, seit der Homo sapiens das erste Musikinstrument gebaut hat.
Es ist also nicht verwunderlich, wenn uns ein Gefühl der Leere und Fassungslosigkeit durch die Zeit des langen Schweigens begleitet hat, das den Opernhäusern und Konzertsälen rund um den Planeten auferlegt wurde: Musik ist grundlegend für die meisten menschlichen Aktivitäten, die mit Wissen, Gefühlen, aber auch mit biologischen Prozessen zu tun haben.
Es ist wirklich kompliziert, eine Bilanz einer gequälten Opernsaison wie der gerade zu Ende gegangenen zu ziehen. Nachdem die Saison fast normal begonnen hatte, wurde sie für viele Monate unterbrochen, bis im späten Frühjahr die Aktivität wieder mehr oder weniger normal einsetzte, wenn auch nur für ein paar Wochen. Die gute Nachricht ist, dass viele Neuproduktionen und einige Uraufführungen, die ein Jahr lang in der Schublade gelegen hatten, endlich zu sehen waren. Unter letzteren muss ein besonderer Platz «Innocence» ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 118
von Stefano Nardelli («Il giornale della musica», Frankfurt, Venedig)
Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen...
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand...
Eine Opernsaison, die mit «7 Deaths of Maria Callas» beginnt , aber schon nach einem Monat endet, kurz nachdem man Mussorgskys «Boris» in Zürich erlebt hat: Chor und Orchester ins Opernhaus übertragen, die Solisten live auf der Bühne, was in der Regie von Barrie Kosky, bei dem alles in einer Bibliothek mit wandelnden Bücherregalen spielt, kühn gelingt. Wenig später...
