Vergiftete Lieder
In Wien waren die Grenzen zwischen Kunst- und Unterhaltungsmusik seit jeher durchlässig. Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise musste als «k. und k. Kammer-Kompositeur» Tänze für die Karnevalsbälle in den Redoutensälen der Hofburg liefern; er tat es mit derselben verschwenderischen Sorgfalt, wie wir sie aus seinen größeren Instrumentalwerken kennen. Auch der junge Beethoven ließ es sich in seinem ersten Wiener Jahrzehnt nicht nehmen, Ländler und Deutsche Tänze zu schreiben, Gebrauchsmusik also.
Bei den Schubertiaden wurde nicht nur gesungen, sondern auch getanzt – Schuberts schier unerschöpfliche Fülle an Tänzen fürs Klavier ist zugleich große Kunst und Hausmusik im besten Sinne. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts trennten sich die Sphären. Brahms’ Walzer waren für den Konzert-, die der Strauß-Dynastie für den Ballsaal bestimmt.
Ein Austausch, eine gegenseitige Befruchtung fand aber nach wie vor statt. Brahms war ein großer Johann-Strauß-Bewunderer, und auch die Komponisten der Zweiten Wiener Schule wuchsen in dieser Atmosphäre auf. Der junge Schönberg erwarb seine ersten Sporen in Tanzkapellen, instrumentierte Operetten und komponierte 1901/02 Kabarett-Lieder für Ernst von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 48
von Uwe Schweikert
Die Lieder Gabriel Faurés haben es, wie die französische Liedkunst insgesamt, außerhalb Frankreichs seit jeher schwer – mit Ausnahme Englands, wo zuletzt, geschart um die beiden Pianisten Graham Johnson und Malcolm Martineau, mit einer Vielzahl von Sängerinnen und Sängern auch die beiden noch immer lieferbaren Gesamtaufnahmen entstanden. Die neue Einspielung durch...
Plamen Kartaloff ist ein charismatischer Mann. Schlohweißes Haar – eine luxuriöse Bräune und ein gewinnendes Lächeln im Gesicht. In der Pause der Vorstellung von Wagners «Fliegendem Holländer» lädt er den angereisten Opernkritiker zu bulgarischem Weißwein und Thunfisch-Wraps. Wir schauen direkt auf den See. Ein schöner bulgarischer Mann mit Latino-Locken schenkt...
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
