Vergiftet
Toxisch. Das trifft es. Die Ehe der jungen Royals ist kaputt. Nicht mal die von der schwarzen Gouvernante beaufsichtigten Kinder können Lady Alcestes Depressionen zerstreuen. Und die eigennützigen Liebesschwüre des fatal erkrankten Gatten Admète erst recht nicht. Die destruktive Logik einer durch Macht und höfische Etikette entfremdeten Beziehung unter ständiger (medialer) Beobachtung bildet das Zentrum von Krzysztof Warlikowskis kalt sezierender Gluck-Lektüre (siehe OW 4/2014).
Die Bildregie Stéphane Metges «übersetzt» das moderne Drama mit Zooms, Panoramen, Gegenschnitten so musikalisch, so virtuos in die Sprache des Kinos, dass die Eiseskälte, die Verzweiflung, der lächelnde Zynismus in Gesten und Gesichtern manchmal kaum auszuhalten sind. Angela Denoke, eine vokal herbe Alceste, spielt die innere Zerstörung der Titelfigur in allen Facetten aus – seelenwund, stolz, mit stechender Intensität. Nicht minder präsent: Paul Groves als ein unter der Knute des (noch) regierenden Vaters taumelnder Admète und Willard White als klinisch kühler Todespriester. Ivor Bolton realisiert die wechselblütige Partitur mit unsteter Fortune.
Gluck: Alceste
Angela Denoke (Alceste), Paul Groves ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Albrecht Thiemann
Lior Navok assoziiert mit «Fluss» nicht Lethe, sondern Ähnliches wie Henze in «Wir erreichen den Fluss» (1975) – eine symbolhafte Grenze von Lebenssphären. Sehr viel konkreter bezeichnet der israelische Komponist (Jahrgang 1971) den Fluss überdies als das trennende und verbindende Element zweier verfeindeter Völker (mit dem von beiden Seiten begehrten Wasser), und...
Erst vor Kurzem ist eine Studioaufnahme von Agostino Steffanis großartiger Oper «Niobe» erschienen (siehe OW 3/2015), hervorgegangen aus einer Produktion des Boston Early Music Festivals. Jetzt folgt bereits eine weitere Aufnahme dieses Werks, die auf Mitschnitten einer Aufführungsserie am Royal Opera House Covent Garden basiert. Nach dem enormen Erfolg, den...
Die Musik klingt, als wäre ihr die Buße für eine unbekannte Schuld auferlegt. Vielleicht die der späten Geburt. Bedenkt man, dass bereits 1965 – ein halbes Jahrhundert vor dieser Uraufführung von Jan Klusáks «Philoctetes» Mitte Mai 2015 im Antonin-Dvorák-Theater zu Ostrava – am gleichen Ort ein Happening John Cages mit Merce Cunningham und Robert Rauschenberg über...
