Kitschig pittoresk

Verdi: Aida
Erfurt | Theater

Abendstimmung am Nilufer. Wellen kräuseln sich, ein Gazeschleier dient als Folie für die Abbildungen altägyptischer Gottheiten und Hieroglyphen, am Horizont klebt eine blutrote Orange. Für Aida sind es die Minuten der Wahrheit. Die äthiopische Königstochter muss sich entscheiden zwischen Liebestod und Sklaverei (wobei ihr Ersteres um einiges plausibler erscheint), zuvor aber sehnt sie singend die Vorzüge ihrer Heimat herbei.

Sängerisch ist die Arie «O cieli azzurri» eine enorme Herausforderung: Das Orchester summt nur leise im Hintergrund, die Töne reihen sich wie Perlen auf einem Drahtseil in der Höhe aneinander, ein Netz ist nicht in Sicht.

Michelle Bradley, zuletzt als «Forza»-Leonora in Frankfurt zu bestaunen (siehe OW 3/2019), gibt die Titelrolle erstmals in Deutschland, und man merkt ihr in jedem Takt an, dass sie noch auf der Suche ist nach dem richtigen Timbre, der perfekten Intonation, dem passenden Tonfall. Ihre Piani und Pianissimi sind berückend; sobald sie aber forcieren muss, um nicht abzustürzen, stößt sie die Töne mit übertriebenem Druck und unziemlicher Schärfe hinaus. Es bleibt die bange Frage, ob die technischen Möglichkeiten der US-amerikanischen Sopranistin ...

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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten