Unterm Seziermesser

Mahlers «Lied von der Erde» und «Lieder eines fahrenden Gesellen» in Schönbergs Kammerarrangements, klingende Kameen des Schweizer Russen Paul Juon

Opernwelt - Logo

An diesen Arrangements klebt nicht nur das Fin de siècle, sondern – aus etwas schräger Sicht – wohl auch das Wiener Kaffeehaus. Obwohl sie nicht für diese Lokale geschaffen wurden, sondern für Arnold Schönbergs 1918 gegründeten «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Konzerte in den unterschiedlichsten Sälen stattfanden, darunter der Musikverein und das Konzerthaus.

Beim Orchester war man aus finanziellen Gründen zum Ökonomisieren gezwungen, griff auf Kammerarrangements zurück, deren Besetzung den in manchen Kaffeehäusern und Gaststätten zur Unterhaltung aufspielenden Ensembles nicht unähnlich war: Flöte, Oboe, Klarinette, Streichquintett, dazu oft auch Klavier und Harmonium. Bei Bedarf, wie etwa beim hier vorliegenden «Lied von der Erde» in der Bearbeitung durch Schönberg und seine Schüler – vermutlich auch Anton Webern –, wurde die Besetzung erweitert. Der Flötist spielt ebenfalls Piccolo, der Oboist auch das Englischhorn; eine zweite Klarinette, Fagott, Horn, Celesta und Schlagzeug (inkl. Triangel!) kommen hinzu.

Schönbergs Arrangements auch nur andeutungsweise «Kaffeehausmusik» zu nennen, wäre natürlich Sakrileg. Obwohl etwa der Beginn des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Reflektiert intuitiv

Herr Klink, Sie singen nun seit mehr als zwanzig Jahren Oper. Was ist Ihnen heute besonders wichtig, wenn Sie auf die Bühne treten?
Eine direkte Verbindung zwischen Sprache und Stimme. Danach suche ich, in jeder Vorstellung aufs Neue. Gesang ist ja eigentlich etwas Gemachtes, Künstliches. Ich will diese Künstlichkeit überwinden. Das treibt mich an. Eine Partie...

Schauplatz Curaçao

Der durchschnittlich gebildete Opernfreund denkt beim Stichwort Brabant an «Lohengrin» und erinnert sich angesichts der legendären, indes nie heilig gesprochenen Genoveva aus dem gleichnamigen belgisch-niederländischen Herzogtum an Robert Schumanns einzige Oper. Jacques Offenbach widmete der Gemahlin des mittelalterlichen Pfalzgrafen Siegfried gleich drei...

Das kalte, heiße Herz

In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...