Unter Segel

John: Sydney Opera House Sydney / Opera

Opernwelt - Logo

Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben aufgeführt – hatte das Publikum allerdings nicht mit sengender Sonne, sondern mit Nieselregen zu kämpfen.

Es mag merkwürdig klingen, ein Gebäude zur Hauptfigur zu küren.

Doch bekanntermaßen ist die Entstehung dieses australischen Wahrzeichens in der Tat eine packende Geschichte. Hochfliegende architektonische Ambitionen, politische Querelen, Rufmord, niederer Opportunismus – alles kommt vor. Trotzdem hat das Produktionsteam von Opera Australia jetzt mit dem Versuch, die Dramatik griffig einzufangen, draußen auf der Freitreppe nicht mehr Erfolg als die Vorgänger vor zwanzig Jahren drinnen.

Daran sind weder der Regisseur David Freeman noch der Musikchef Anthony Legge schuld; es liegt am Stück. Dennis Watkins Libretto ist lang und umständlich, um nicht zu sagen: geschwätzig. Nur in wenigen Szenen wird der vorhandene Zündstoff ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von John Carmody

Weitere Beiträge
Knallige Wiedergeburt

Secco-Rezitative? Frauen in Hosenrollen? Im Neapel des frühen 19. Jahrhunderts galt das schon als altmodisch, jedenfalls an den kleineren Theatern. Man zog den Mezzos hohe Tenöre vor, an die Stelle der Rezitative traten gesprochene Dialoge – wie im Singspiel oder der Opéra comique, bloß im neapolitanischen Dialekt. Für die Premiere von «Olivo e Pasquale» 1827...

Leidenschaft aus Verantwortung

Herr Loy, Sie gelten unter den heute wichtigen Regisseuren als der große Diven-Versteher. Niemand hätte gedacht, dass Edita Gruberova so spielen kann wie bei Ihnen. Auch mit Jennifer Larmore sind Sie ganz neue Wege gegangen, ebenso mit Nina Stemme und Marlis Petersen. Und von Agneta Eichenholz hört man eigentlich immer nur, wenn Christof Loy inszeniert. Wie...

Alles ist da

Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen...