Unter Segel

John: Sydney Opera House Sydney / Opera

Opernwelt - Logo

Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben aufgeführt – hatte das Publikum allerdings nicht mit sengender Sonne, sondern mit Nieselregen zu kämpfen.

Es mag merkwürdig klingen, ein Gebäude zur Hauptfigur zu küren.

Doch bekanntermaßen ist die Entstehung dieses australischen Wahrzeichens in der Tat eine packende Geschichte. Hochfliegende architektonische Ambitionen, politische Querelen, Rufmord, niederer Opportunismus – alles kommt vor. Trotzdem hat das Produktionsteam von Opera Australia jetzt mit dem Versuch, die Dramatik griffig einzufangen, draußen auf der Freitreppe nicht mehr Erfolg als die Vorgänger vor zwanzig Jahren drinnen.

Daran sind weder der Regisseur David Freeman noch der Musikchef Anthony Legge schuld; es liegt am Stück. Dennis Watkins Libretto ist lang und umständlich, um nicht zu sagen: geschwätzig. Nur in wenigen Szenen wird der vorhandene Zündstoff ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von John Carmody

Weitere Beiträge
Auf Abwegen

Temple Bar an einem Abend im Oktober. Massen von Menschen schieben sich durch das pittoreske Ausgehviertel von Dublin. Die Luft ist herbstlich kühl, aber angenehm lau, etliche Halloween-Parties locken das Publikum an. Ein gruseliges Schauspiel besonderer Art erwartet all jene Besucher, die zum Project Arts Centre abbiegen, dessen blaugläserne loftartige Architektur...

Männer unter Hormonstress

Das Einfachste wäre streichen. Also amputieren, was den meisten Gattungsvertretern der Grand Opéra passiert, die in jüngster Zeit verstärkt die Spielpläne bereichern. In der Münchner «Favoritin» hingegen bleibt die oft ungeliebte Ballettmusik verschont, wir erleben Körpergymnastik der besonderen Art. König Alphonse und Mätresse Léonor sitzen nebeneinander – im...

Mitte des Ausdrucks

Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...