Unergötzliches Gemetzel
Gute Nachrichten aus Parma: Nach Jahren programmatisch verordneter Schmalkost ist das Verdi Festival mit dem Schiller-Triptychon seines Namenspatrons und einem «Trovatore» zu einem Format zurückgekehrt, das seinem Ruf als nationales Opernereignis endlich wieder gerecht wird. Unter der Schirmherrschaft des jungen Bürgermeisters Federico Pizzarotti machte eine Neuproduktion von «Don Carlo» den Auftakt.
Achtzehn Jahre lang war diese Oper auf der Bühne des Teatro Regio nicht gespielt worden – ein Versäumnis, das nun dank einer Koproduktion mit dem Genueser Teatro Carlo Felice, dem Lissaboner Teatro São Carlo und der kleinen Ópera de Tenerife nachgeholt wurde.
Als ein Werk der dramatischen Ensembles und großen Chorszenen verlangt «Don Carlo» nach einem homogenen Solistenensemble. Das schwächste Glied in der Kette der sechs Hauptpartien war die Eboli von Marianne Cornetti: Die US-amerikanische Mezzosopranistin stemmte ihre Spitzentöne mit Mühe und sang durchweg mit unschön waberndem Vibrato. Auch darstellerisch fand sie nicht zu nennenswertem Profil – vielmehr agierte sie zuweilen am Rand unfreiwilliger Komik. Anders das jugendliche Liebespaar: Anfangs noch etwas schüchtern, steigerten ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Carlo Vitali
Altenburg, Ost-Thüringen, Oktober 2016. Kurz vor dem Ende der Kundgebung am Roßplan richtet Frank Schütze, Sprecher des sogenannten «Bürgerforums Altenburger Land», noch einen Appell an «die Freunde» – für den Nachhauseweg, mit Blick auf eine kleine Gruppe lautstark protestierender Gegendemonstranten: «Bitte zertretet kein Geschmeiß.» Eine Stunde lang haben Schütze...
Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft...
Die Schlange, Urgrund allen Übels. Langsam windet sie sich über die Wählscheibe der Pariser Telefonzelle, ihr klein-gefährlicher Kopf, auf zwei schwingende Tücher über der Szene projiziert, ist in Großaufnahme zu sehen. Später wird die Versucherin über die auf dem Bett sinnende Margarethe gleiten, der Nachbarin Marthe hängt sie beim Flirt mit Mephisto um den Hals....
