Unaufhaltsam

Salzburg, Birmingham, Los Angeles: die Welt der jungen litauischen Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla

Opernwelt - Logo

Das ist Murphys Gesetz: Ausgerechnet der Titelrollentenor hat krankheitshalber keine Stimme. Spielt also stumm und lässt sich vokal vom Kollegen an der Seite vertreten. Ausgesprochen misslich, zumal bei einer Premiere, passiert aber schon einmal. Eine Steigerung gefällig? Bitte schön: die Zweitvorstellung des Salzburger «Idomeneo». Der Seitensänger darf die Partie komplett übernehmen, ist aber selbst schwer indisponiert – ohne dass man dies vorher der Dirigentin gesagt hätte.

Dazu sitzen im Graben einige neue Musiker; Teile des Mozarteum-Orchesters sind von einer Tournee zurückgekehrt. Und das Beste: Man merkt Mirga Gražinytė-Tyla nichts an. Keine Irritation, im Gegenteil. Dieser «Idomeneo» im Landestheater stellt musikalisch nicht nur alle aktuellen Mozart-Anstrengungen der benachbarten Festspiele in den Schatten (was zugegebenermaßen nicht besonders schwierig ist), er bewegt sich auch im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Der Topos «historisch informiert» umschreibt das nur annäherungsweise. Athletisch und streng klingt diese Deutung, aus der Lyrismen umso stärker hervortreten. Klug analysiert, aber nie verzettelt. Im Dauer-Brio, jedoch nicht verhetzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weitgehend unerlöst

Das Barock glänzte im vergangenen Jahrzehnt am Mannheimer Nationaltheater durch Abwesenheit. So ist es durchaus als programmatischer Aufbruch zu begrüßen, wenn Albrecht Puhlmann gleich als zweite Premiere seiner Intendanz ein Werk Händels auf den Spielplan setzte. Allerdings ist «Hercules» keine Oper, sondern ein «musikalisches Drama» – so die explizite...

Polonaise Bolognese

Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs...

Diskrete Erotik

Auf deutschen Bühnen begegnet man Maurice Ravels einaktiger musikalischer Komödie «L’heure espagnole» (1911) vergleichsweise selten, auf Tonträgern ist sie jedoch eindrucksvoll repräsentiert. Eine erste Gesamtaufnahme, die vom Komponisten selbst beaufsichtigt wurde, erschien bereits 1929, nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen sich Dirigenten-Koryphäen wie René...