Triumph der jugendlichen Liebe
Mit der «Entführung aus dem Serail» beendet René Jacobs seinen vor 16 Jahren begonnenen Zyklus der Studioproduktionen von Mozarts großen Opern. Er präsentiert das Stück so, wie Mozart es konzipiert hat – als Singspiel mit den ungekürzten, wo nötig allerdings zeitgemäß veränderten Dialogen. Das ist freilich nicht so sensationell neu, wie er wohl glaubt.
Hörspielfassungen von Dialogopern haben die meisten deutschen Funkanstalten in den 1950er-Jahren produziert; in einer Aufnahme der «Entführung» des NWDR Hamburg von 1954 begegnen uns als Sprecher etwa die Gründgens-Schauspieler Max Eckard und Hermann Schomberg.
Jacobs freilich lässt die Sänger selbst sprechen und untermalt ihre Texte hier und da atmosphärisch durch Geräusche – Peitschenschläge Osmins, Vogelstimmen im Park des Bassa, Eulenrufe bei der mitternächtlichen Entführung – oder Improvisationen des Hammerklaviers, die das Geschehen nach Art eines Melodrams musikalisch akzentuieren. Diese Aufwertung der äußeren Handlung gibt auch dem inneren Drama der Musik mehr Gewicht, zumal die Sänger ihre ungewohnte Aufgabe überzeugend erfüllen und das Ganze ausgesprochen lebendig, ja spannend wirkt. Schade nur, dass der einzige Profi, ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert
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Er ist in vielem fragwürdig, zugleich aber hintergründig faszinierend, dieser «Hoffmann» aus Madrid (siehe OW 7/2014). Musikalisch fällt das Arrangement des Quellenmaterials durch Sylvain Cambreling mit den nachkomponierten Rezitativen Ernest Guirauds noch hinter die überholte Oeser-Fassung zurück. Szenisch lässt Christoph Marthaler in der Schwebe, ob Hoffmann...
Rossini – «eine mediterrane Frohnatur»? Mitnichten: «Tatsächlich war [er] jahrzehntelang ein schwerkranker Mann.» Arnold Jacobshagen unterzieht in seinem Rossini-Buch viele lieb gewordene Mythen einer kritischen Überprüfung, mal systematisch (wenn er sich den verschiedenen Operngattungen in Rossinis Werk und später dessen möglichen Vorbildern widmet), mal...
