Tiefsinnige Parabel
Der Tod verweigert seine Arbeit. Und das hat erhebliche Konsequenzen: Es kann nicht mehr gestorben werden. Was an sich (vielleicht) eine gute Botschaft wäre, hat allerdings einen kleinen Haken: Das Leiden der Menschen verringert sich keineswegs. Zumal Kaiser Overall an die Fortsetzung des Krieges mit allen Mitteln denkt. Die Dezimierung des Feindes bleibt jedoch aus – und so eben auch des Kaisers Sieg. Propagandistisch gewieft, wie er ist, dreht er die Sache um und schenkt allen das ewige Leben. Der Krieg geht gleichwohl weiter, eine Revolte bricht aus.
In diesem Moment tritt der Tod dem Kaiser im Spiegel gegenüber und bietet ihm die Fortsetzung seiner Arbeit an, wenn Overall ihm als erstes Opfer folgt. Der Kaiser willigt ein, nimmt Abschied und folgt dem Tod durch den Spiegel. Ein Schlusschoral verkündet: «Du sollst den großen Namen Tod nicht eitel beschwören.»
Genau das taten aber jene, die den Anlass gaben für Viktor Ullmanns tiefsinnige Opernparabel. «Der Kaiser von Atlantis» darf als das bedeutendste musiktheatralische Kunstzeugnis gelten, das unter den Bedingungen des von den Nationalsozialisten betriebenen Konzentrationslagers Theresienstadt entstanden ist. Es hatte nur ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 48
von Bernd Künzig
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
Der Prophet gilt bekanntlich wenig im eigenen Land. Gemünzt auf das Verhältnis Richard Wagners zu seiner Geburtsstadt mag das überspitzt klingen. Und doch berührt es einen wunden Punkt: In Leipzig, der Stadt Bachs und Mendelssohns, deren Musik in jährlich ausgerichteten Festivals gefeiert wird, hatte man mit dem Erbe des weltweit berühmtesten dort geborenen...
Heinz Holligers zweites abendfüllendes Musiktheaterwerk «Lunea» wurde am 4. März 2018 am Opernhaus Zürich uraufgeführt und in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Nachgespielt – das Schicksal vieler Uraufführungen selbst prominenter Komponisten – wurde es bis heute nicht. Es ist eine Großtat Manfred Eichers, nach Holligers...
