Tiefenbohrung

«Sverlijzy» – sechs Episoden, sechs Komponisten: Wie das Stanislawski-Elektrotheater die Moskauer Opernszene aufmischt

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Sehnsucht nach neuem Musiktheater – das ist in Moskau nichts Neues. Doch auf eine so produktive Spielzeit wie die letzte hat die Stadt lange warten müssen. Jetzt wurden die hochgespannten Erwartungen sogar übertroffen. Zumal die Uraufführungen wirkten wie Kampfansagen der zeitgenössischen Oper an die verhängnisvolle politische Entwicklung Russlands: eines Staates, in dem Krieg und Korruption zu einer Art normalem, kaum mehr in Frage gestellten Background geworden sind. Wir sprechen freilich nicht von direkten Interventionen, sondern von Kritik mit ästhetischen Mitteln.



Zu den wagemutigen Instituten gehört das Kammermusiktheater Boris Pokrowski, das gleich zwei neue Werke herausbrachte. Alexander Manozkows «Titij Bezuprecnyj» («Der unbescholtene Titus») beruht auf dem gleichnamigen Stück von Maxim Kurotschkin (2008), einer Paraphrase auf Shakespeares «Titus Andronicus». Das Thema: die Mechanismen des totalitären Staats. Das Libretto schrieb der Schauspielregisseur Wladimir Mirsojew, die durchdachte, hermetische Partitur verknüpft Schönbergs Zwölftonmusik, indische Raga-Akkorde, an Weill erinnernde Motive und Barock-Reminiszenzen. Musikalisch hebt diese «kosmische Oper» herrlich ab – ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 98
von Alexei Parin

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