Es tut gut zu entschleunigen

Eigentlich sollte er an der Scala in «Salome» die Prinzessin von Judäa verfluchen. Doch dann war Schluss. Weil das Mailänder Haus den Spielbetrieb einstellte und Michael Volle dort in Kontakt mit einem Corona-Infizierten kam

Eine Allerweltsfrage bekommt eine neue Bedeutung: Wie geht es Ihnen?
Wenn man von 100 auf null runterfährt, dann reagiert die Psyche entsprechend. Sonst habe ich immer innerlich einen gewissen Dampf, weil man ständig an den nächsten Termin denkt. Und nun muss sich der Körper eben umstellen. Ich weiß nicht, wann sich meine Engagements fortsetzen. Wenn man es philosophisch nimmt: Es tut gut zu entschleunigen. Auch das merke ich.

Sie mussten runterfahren, weil die Scala ihre «Salome» wegen mehrerer Corona-Fälle absagte.


Ich hatte zuvor noch mit Yannick Nézet-Séguin drei konzertante Aufführungen der «Frau ohne Schatten». In Paris, Dortmund und Rotterdam – mit das Schönste, Unfassbarste, das ich in meinem Leben machen durfte. Zwischendurch war ich immer mal wieder in Mailand. Als die zona rossa noch weit entfernt war, hieß es, dass ein Kollege im Chor positiv getestet worden und mittlerweile daheim sei. Ihm gehe es gut. Daraufhin sagte die Scala einige Vorstellungen ab, «Il trovatore» zum Beispiel oder «Il turco». Wir probten weiter. Nach einer Orchestersitzprobe und einer Bühnenorchesterprobe wurden Ende Februar plötzlich alle weiteren Vorbereitungen abgesagt. Eine Woche vor der ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Thema, Seite 22
von Markus Thiel