Taiwanisches Tagebuch

Einer der ersten prominenten Musiker, der sich mit dem Corona­virus infizierte, ist der australische Bratscher und Komponist Brett Dean. Wenige Tage vor dem Test hatte Dean in Taipeh mit dem National Symphony Orchestra und dem Dirigenten Shao-Chia Lü eigene Werke geprobt – und aufgeführt

25. Februar ‒ She

Die ersten Atemmasken und schwarzen Plastikhandschuhe auf dem Frankfurter Flughafen hinterlassen ein ungutes Gefühl. War es das jetzt mit der Normalität, frage ich mich zu einem Zeitpunkt, als von Ladenschließungen, Ausgehsperren, Grenzschließungen und Massenquarantäne in Europa noch keine Rede ist.

Ist das schon «She», die Seuche, das schleichende Gift, das uns alle verändern wird ‒ der Beginn eines Umdenkens auf unserer europäischen Insel, die sich so sicher in der Wiege von Hightech, Globalisierung und der Delegierung aller Gefahren ans Netzwerk sozialer Absicherung fühlte? Und welche Rolle wird in dieser Atmosphäre von Ungewissheit und Angst die Kunst haben? «She» als Chance in der Katastrophe?

Aber noch ist es viel zu früh für solche Fragen, noch lokalisieren wir «She» ‒ trotz überraschend schnell grassierender Fälle in Italien ‒ vor allem in Ostasien. Manche halten es deshalb für eine Schnapsidee, gerade jetzt nach Taiwan zu fliegen, wohin mich das National Symphony Orchestra eingeladen hat, um Appetit auf die geplante Europatournee im April zu machen. Doch als ich in Taipeh aus dem Flieger steige, bin ich der europäischen Zeit nicht nur um sieben Stunden ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Thema, Seite 14
von Michael Struck-Schloen