Sturzflug

Purcell: King Arthur
Berlin | Staatsoper im Schiller Theater

Ob das ernst gemeint ist? Oder anarchistische Deutungswillkür? Oder einfach nur gedankenlos, beliebig, ohne jedes Interesse am Original und einer vielleicht noch heute gültigen Botschaft? Henry Purcell und sein Librettist, der Dichter John Dryden, haben 1691 mit «King Arthur» ein Stück Musiktheater geschaffen, dessen burleske Mannigfaltigkeit zu Verfälschungen geradezu einlädt.

Sakrosankt ist an barocken Bühnenwerken sowieso nichts, und die englische Gattung der Semi-Oper – Schauspiel, Tanz und Gesang potpourriartig verbindend – eröffnet zusätzliche, fast unbegrenzte Interpretationsmöglichkeiten.

Zumal «King Arthur» alles allzu Eindeutige zu meiden scheint: Es wird märchenhafte Fantastik aufgeboten und zugleich ironisch relativiert, es gibt durchaus patriotisches Heldenpathos, das zuletzt vor einer musikalisch bewegenden Friedensvision verblasst. Die Tendenz geht aber unverkennbar mehr zur Schäferidylle als zum Schlachtengemälde. Nicht so bei Sven-Eric Bechtolf und seinem auch für das Bühnenbild zuständigen Co-Regisseur Julian Crouch. Sie erfinden eine Rahmenhandlung mit Royal Air Force und Nazi-Deutschland, verwandeln «King Arthur» in einen Appell zum heroischen Selbstmord fürs ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Volker Tarnow