Starke Frauen, extreme Lagen

Vermischte Essays zu Händels Heroinen

Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger Einführung formulierte Anspruch von Panja Mückes feinfühliger Analyse der Figurenkonstellation und einer Arie der Titelheldin in «Agrippina» (1709).

Klaus Pietschmann verfolgt Händels Wiederverwendungen derselben Arie in anderen Opern und zeigt auf faszinierende Weise, wie schon der junge Komponist mit «psychischen Extremsituationen» experimentierte (ärgerlich nur, dass dort nicht auf das erhellende Notenbeispiel in Mückes Beitrag verwiesen wird).

Extremsituationen prägen auch die zahlreichen Opern über Dido und Aeneas, die Albert Gier kenntnisreich Revue passieren lässt. Eine Fokussierung auf Händel ist dort – mangels einschlägiger Werke – weder sinnvoll noch möglich. In Cord-Friedrich Berghahns Skizze der «Ästhetik des Erhabenen» in ihrer Anwendung auf die «barocke Oper» (bis Gluck!) schmerzt hingegen der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Anselm Gerhard

Vergriffen
Weitere Beiträge
Polonaise Bolognese

Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs...

Was kommt...

CHAYA CZERNOWIN
Was heißt Komponieren für Stimme? Diese Frage hat Chaya Czernowin schon in ihrem ersten Bühnenwerk «Pnima» (2000) beschäftigt. Sie steht auch im Zentrum ihrer neuen Oper «Infinite now» (Uraufführung: April 2017, Vlaanderen Opera). Ein Gespräch

ZEITGEISTOPER?
Knüpfen sie an die Tradition der «Zeitoper» des jungen Weill, Krenek oder Hindemith...

Staatstheater

Zunächst lässt wenig darauf schließen, dass die Nachricht mehr sein könnte als eine Fußnote im ewig-lästigen Familienstreit der Wagners um Bayreuth. In Wahrheit ist sie ein Lehrstück staatlicher Kulturpolitik. Das Landgericht Bayreuth wies im Dezember eine Klage aus den Reihen der Richard-Wagner-Stiftung ab. Vier Angehörige der Familie, darunter ...