Sprache, Linie, Ausdruck
Frau Karg, an der Komischen Oper haben Sie gerade die Norina aus «Don Pasquale» gesungen. Liegen Ihnen solche eher leichtfertigen Charaktere?
Eigentlich gar nicht. Aber in Norina steckt nun mal wenig Tiefgang – damit musste ich klarkommen. Das ist ein junges Mädel aus der Spaßgesellschaft, und nur in dem Moment, in dem sie Pasquale eine Ohrfeige gibt, gewinnt das Geschehen überhaupt eine etwas abgründigere Dimension. Das Stück ist eine Komödie, und man hat gar keine andere Wahl, als sich darauf einzulassen.
Im Zentrum Ihres Repertoires stehen im Moment die Rollen Mozarts – Susanna zum Beispiel. Da haben Sie mehr Gestaltungsspielraum.
Ja, Susanna hat einfach alles. Auch stimmlich. Sie ist witzig, jung, kennt ihre Macht als Frau, hat aber dann eben auch ihre «Rosenarie», die nicht nur tief liegt, sondern auch tief empfunden ist. Da kommt eine ganz andere Dimension hinzu.
Bauen Sie diesen tieferen Bereich Ihrer Stimme jetzt bewusst aus, um die charakterlich komplexeren Sopranrollen singen zu können?
Ich musste ihn gar nicht ausbauen, denn ich hatte ihn nur eine Zeitlang verlassen. Ich hatte immer eine gute Mittellage und sehr gute Tiefe, aber ich bin einfach Sopran und tendiere nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was sich leicht singt, ist schwer zu schreiben. Es gab und gibt immer nur wenige Komponisten, die sich mit der menschlichen Stimme als Instrument befassen. Dabei geht es weniger um Fragen des Umfangs oder der Dynamik als um die Balance der Lagen, um physische Spannung und Entspannung, um das Verhältnis von Klang und Emotion. Für Stimmen komponieren bedeutet mehr,...
Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu....
«Ich weiß, dass ein Komponist manchmal in der Nähe des Feuers sein muss. Foerster, Novák – man sieht, dass sie an kalten Öfen sitzen.» Dies gesteht Janácek am 26. Januar 1928, ein halbes Jahr vor seinem Tod, mit brutaler Offenheit seiner Frau Zdenka. Denn der damals 74-Jährige saß, wie er seinen Kollegen Josef Bohuslav Foerster und Vítezslav Novák unterstellt,...
