Spielt mir das Lied vom Tod
Es sind mehr als feine Unterschiede: «Il tabarro» spielt in der Gegenwart, «Suor Angelica» im 17., «Gianni Schicchi» im 13. Jahrhundert. Inhaltlich verbindet Puccinis drei Einakter wenig, auch der Begriff «trittico« stammt nicht vom Komponisten, sondern mutmaßlich von seinem Verleger Ricordi. Regisseur Roland Schwab findet in Essen dennoch Verbindendes, zumal den traumatisierenden Tod eines Kindes.
Im «Tabarro» ist er Ursache einer zusehends entfremdeten Beziehung, im Mittelstück stirbt der uneheliche Sohn der traurigen Suor Angelica, in «Gianni Schicchi» ist es der Tod des reichen Familienoberhauptes Donati, der den Titelhelden auf den Plan ruft, um mit der Habgier der Hinterbliebenen abzurechnen. Auch hier schlägt das Schicksal zu. Nur eben herrlich komisch. Doch der Reihe nach.
Das Bühnenbild von Piero Vinciguerra zeigt zunächst ein Becken. Ein Kind mit Schulranzen liegt darin, tot, von einem riesigen Deckenspiegel eingefangen wie eine traurige Erinnerung. Michele (Heiko Trinsinger als Film-noir-Figur) und Giorgetta (mit viel Schmelz: Annemarie Kremer) können sich nicht mehr in die Augen schauen, auch weil der Hafenarbeiter Luigi (Sergey Polyakov im Feinripp-Shirt und in Jeans) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Sabine Weber
Dagmar Nick ist inzwischen 95 Jahre alt und lebt in München, in der Nähe von Schloss Nymphenburg. An einem Sonntagvormittag treffen wir auf eine humorvolle, geistig völlig fit gebliebene Dame, die uns ganze zwei Stunden an ihren wertvollen Erinnerungen teilhaben lässt. Diese Geschichten ruft Nick schneller und sicherer ab, als es ein junger Mensch vermag. Selbst...
Manchmal gleicht der Anfang schon dem Ende. Alles ist bereits erzählt, erlebt, durchlitten; auch die Musik, in diesem Fall das «Perdono»-Finale von Mozarts «Le nozze di Figaro», scheint, kurz vor Eintreten des Allegro assai, erschöpft zu sein. Aber wer weiß, vielleicht wird dieser Film über einen tolldreisten Tag auf dem Land noch einmal gedreht? Fast möchte man es...
Über die Liebe ist schon manch Klug-Erhellendes, Poetisch-Verdichtetes (und, ja, auch Staunenswertes) geschrieben worden. Eine der schönsten Charakterisierungen aber finden wir in der Bibel, im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 4 bis 7: «Die Liebe ist langmütig und freundlich», heißt es da, «die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet...
