Sieben Fragen an Gordon Kampe
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Zug höre ich oft Musik, die bisher an mir vorübergezogen ist. Neulich: Rameaus «Castor und Pollux». Als Télaïres Lamento «Tristes apprêts» begann – da war es aus mit mir. Außerdem liege ich immer (sic!) wimmernd auf dem Boden (egal wo), sobald es im «Figaro» «Contessa, perdono …» heißt.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Zunächst in meinem Garten. Dann in jedem anderen Garten. Und dann noch eines in Wanne-Eickel und dann eines in Bayreuth.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Vielleicht (ganz sicher) habe ich einen an der Waffel: Aber ich liebe Proben. Insofern fühlte ich mein Leben bisher noch nicht bedroht. Vielleicht habe ich aber auch nicht bemerkt, dass es längst bedroht war. Dann überlebe ich vermutlich, weil ich Unbill ignorieren kann.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Carl Maria von Weber: «Der Freischütz». Sorry, aber: «Johotrallalala» etc. Irgendwann ist echt mal gut.
Welche Oper halten Sie für unterschätzt?
Adriana Hölszkys «Giuseppe e Sylvia». Eine super-krude Story, völlig unglaubhaft und komplett gaga, mit irrer Musik. Also perfekt fürs Genre!
Woran arbeiten Sie gerade?
An einem Ballett! Da ich bei der Arbeit alles mitsinge, habe ich immer Halsschmerzen. Jetzt kommen noch blaue Flecken dazu.
Ihre Lieblingsoper von van Beethoven?
Ich hielt früher «Die Ruinen von Athen» für eine Oper, bis mir die Fakten in die Quere kamen. Aber vielleicht ist das – wenn man so ziemlich alles daran ändert – ja doch eine Oper?
Opernwelt März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
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Diese Oper war sein Schmerzenskind. Düster war dieses Kind, «weil es düster sein muss» (so der Schöpfer am 2. Februar 1881 an den Lebensfreund Opprandino Arrivabene), durchtränkt von einer zutiefst pessimistischen Menschensicht und versehen mit einem aus drei Tintenfässern stammenden Libretto, das Eduard Hanslick anlässlich der Wiener Erstaufführung ein Jahr nach dem Premierenfiasko in...
Das ganze Drama ist im Grunde erzählt, noch bevor viele Worte gefallen sind. Der Schmerz, die Sehnsucht (welche nur diejenigen Menschenkinder wirklich kennen, die wissen, welches Leiden mit ihr einherzugehen vermag), der Dualismus aus Liebestäuschung und -ent täuschung, die tiefsitzende Verzweiflung, das einsickernde Gift der Rache – alles ist bereits im «Prelude» von Pietro Mascagnis...
Zu spekulieren, ob Mozart sich auf den Pisten des nach ihm benannten Salzburger Ski-Verbundes «Amadè» oder in der unter gleichem Namen im Internet angepriesenen «Erlebnis-Therme» wohlgefühlt hätte, erübrigt sich in Ermangelung solcher Stätten zu seinen Lebzeiten. Ohnehin dürfte «Mens sana in corpore sano» nicht zu den Lebensmottos des Genies gehört haben. Keinen Zweifel gibt es indes...
