Selbst ist die Frau
«Kleopatra» müsste diese Händel-Oper heißen, nicht «Julius Caesar». Daran lässt Lydia Steiers Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin keinen Zweifel. Noch ehe Konrad Junghänel den Einsatz für die Ouvertüre gibt, wird uns ein Blick auf die ägyptische Herrscherin gewährt. Wir teilen eine ihrer Erinnerungen, schauen der Jugendlichen beim Gerangel mit ihrem Bruder Ptolemaios zu, mit dem sie Reich und Ehebett teilen soll, sehen auch ihre Zukunft: Kleopatra, gramgebeugt, eine Natter am Busen.
Immer wieder lässt uns die Regisseurin in stummen Szenen die Welt mit Kleopatras Augen sehen. Dort das gespreizte Gehabe der amüsierwütigen Hofleute. Hier der Barbar Ptolemaios, der Pompeius’ Haupt verspeist (mit besten Tischmanieren). Als Kleopatra hört, Caesar sei tot, und alles verloren glaubt, gleitet der Palast zur Seite, und der gähnende Bühnenraum veranschaulicht das Vakuum, das sie nun empfindet.
Herrlich sinnlich ist die Optik dieser Produktion, insbesondere die dekadenten Gelage der Höflinge. Der schimmernde Fisch auf der Tafel, die zu Pyramiden getürmten Früchte. Eine überlange Hutfeder, eine besonders ausgefallene Frisur. Steier siedelt die Handlung in der Entstehungszeit der Oper ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Wiebke Roloff
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