Schwirren und Beben
Wenige Produktionen klingen so stark und so lange nach wie die Salzburger «Salome». Dass die Energien und Konturen der Musik geradezu sichtbar wurden, hat wesentlich mit dem labyrinthisch offenen Schauspiel zu tun, das Romeo Castellucci in der Felsenreitschule für Strauss erfand. Überhaupt entpuppt sich die faszinierend rätselhafte Bühnensprache des aus der Emilia-Romagna stammenden Querdenkers mehr und mehr als wirkmächtige Neuformulierung des Gesamtkunstwerk-Gedankens.
Versuch, die Philosophie des Castellucci-Kosmos zu skizzieren, in fünf Schlagworten und acht Schlaglichtern auf sein Musiktheater – vom Brüsseler «Parsifal» (2011) bis zum Mozart-«Requiem» in Aix (2019)
Ursprünge | Schon mit den ersten Arbeiten lief er Sturm gegen ein Theater der Repräsentation. Ein Theater, das die Bühne als Spiegel des Wirklichen begreift. Das Darsteller, Tänzer, Sänger als Akteure einsetzt, die reale Beziehungen simulieren, in abbildhaften Räumen. Romeo Castellucci war Anfang 20, als er 1981 mit seiner Schwester Claudia und der Schauspielerin Chiara Guidi die Künstlergruppe Socìetas Raffaelo Sanzio gründete. Das Ziel: zu Formen eines Spiels zurückzufinden, in dem Wort und Geste, Gedanke und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Aufführung, Regisseur, Bühnenbildner des Jahres, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Vor 150 Jahren, am 25. Mai 1869, war es so weit: Mit einer Festvorstellung von Mozarts «Don Juan» nahm in Wien das k. k. Hof-Operntheater, die heutige Staatsoper, den Betrieb auf. Der pompös-pathetische Historismus des Gebäudes passte perfekt zur Macht-Attitüde einer Monarchie, die ihren imperialen Anspruch in Stein meißelte. Auch das Palais Garnier, 1875...
Es war eine schwere Geburt. Sieben Jahre, von 2010 bis 2017, arbeitete György Kurtág an seiner Beckett Oper «Fin de partie». Und selbst die Partitur, die im November 2018 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde, unter der musikalischen Leitung von Markus Stenz, in Pierre Audis behutsam existenzialistischer Regie und mit vier fantastischen Gesangssolisten,...
60. Jahrgang, Jahrbuch 2019
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