Schutzraum für kreative Unruhe
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners wutrasender Ortrud, von Strauss’ jugendfrischem Rosenkavalier bis zu Janáčeks alter Kabanicha. Ein Glück. Aber auch ein Knochenjob, der die Stimme kosten kann, wenn man nicht aufpasst.
Gerade hat sie wieder eine neue Partie einstudiert: die Mary im «Fliegenden Holländer». Keine große Sache eigentlich. Und auch keine Figur, für die sie brennt. Aber Anfang Mai fieberte Carola Fischer der Premiere doch entgegen, wie immer, wenn etwas Neues beginnt. Aber vor allem, weil der Bariton Andreas Jäpel seinen ersten Holländer, die Sopranistin Gesine Forberger (in der zweiten Vorstellung) ihre erste Senta und der Tenor Jens Klaus Wilde den heiklen Erik singen sollten. Auch sie langjährige Mitglieder des Cottbuser Opernensembles.
«Ich könnte mir gar nicht vorstellen, freischaffend zu arbeiten», sagt Jäpel beim Italiener nahe dem Altmarkt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Albrecht Thiemann
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Der Schauplatz: die Bretagne im Mittelalter, ein stereotypisches Nordland mit Seen, Schlössern, Kirchen und Hirschjagden, nebelverhangen. Die Handlung: gespickt mit Eifersuchtsdramen, einem Duell, einem Hexenprozess und vermeintlichen Todesfällen. Der krause Plot und das Schauerambiente inspirierten Bellini zu einer...
Überirdisch gleißend strahlt Echnaton. Weißes Tuch fällt an seinen Armen herunter, der Brustpanzer funkelt golden. Das Volk zu seinen Füßen lässt sich blenden, neigt die Köpfe, bejubelt den neuen Pharao – und vergisst dabei völlig, dass es selbst im Dunkeln steht.
Nach «Einstein on the Beach» (2017) steht mit «Echnaton» bereits zum zweiten Mal ein Stück von...
Das Auge muss sich erst einmal zurechtfinden auf Dorota Karolczaks üppig möblierter Bühne im noch schummrigen Licht der Ouvertüre von «Rodrigo», der diesjährigen Neuproduktion der Göttinger Händel-Festspiele. Denn der einst elegante Salon mit Hinterzimmern ist arg heruntergekommen. Der Putz bröckelt, großflächig breitet sich Schimmel aus, Löcher in der Decke und...
