Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Mannheim

Was macht eine gelangweilte Hausfrau, wenn ihr lustloser Ehemann Teddypul­lover trägt? Genau! Sie sucht sich einen Liebhaber. Das klingt nach Boulevard, ist es aber nicht. Es ist trostlos. Und erschre­ckend normal. So, wie Tilman Knabe am Mannheimer Nationaltheater Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» inszeniert hat, sieht es wohl in vielen Familien aus, die sich selbst gutbürgerlich bemänteln. Die Sache spielt heute. Es könnte auch gestern gewesen sein oder morgen. Katerina langweilt sich zu Tode, gammelt im Jogginganzug vor sich hin und erliegt Fressattacken.

Ihr Mann kümmert sich ums mickrige Geschäft. Der Schwiegervater belauert alles. Vor Waschküche, Hinterhof, Keller mit brö­ckelndem Putz bietet nur noch das neonröhrenhelle Schlafzimmer eine einsame Zuflucht. Irgendwann hält es Katerina vor Hässlichkeit und Lieblosigkeit nicht mehr aus. Sergej, dem neuen Angestellten ihres Mannes eilt der Ruf eines Frauenhelden voraus. Es kommt, wie es kommen muss.
Das Libretto, das Schos­takowitsch zusammen mit Ale­xander Preis Anfang der dreißiger Jahre schrieb, strotzt nur so vor Obszönitäten auf offener Bühne. Der Regisseur kneift nicht – und natürlich knallen da ein paar erregte ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
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