Schönberg: Moses und Aron

Düsseldorf, Schönberg: Moses und Aron

Siebzig Jahre nach seiner Entstehung ist Arnold Schönbergs Opernfragment «Moses und Aron» noch immer eine künstlerische Herausforderung. Die Düsseldorfer Rheinoper, an der Schönbergs Hauptwerk 1968 seine westdeutsche Erstaufführung erlebte, hat sie mit der jetzigen Neuinszenierung glänzend bestanden. Das gilt vor allem für den groß besetzten Chor, der trotz der beiden Titelfiguren eigentlicher Handlungsträger ist.

Was der Chor, der anderthalb Jahre Probenzeit hinter sich hat, an diesem Abend darstellerisch wie gesanglich in vielfach geteilten Gruppen, aber auch als Kollektiv bewältigte, lässt sich in wenigen Worten kaum beschreiben. Die vielen Ausdrucksfacetten, vom Flüstern bis zum Schrei, vom skandierten Sprechgesang bis zum ekstatischen Hymnus, ganz zu schweigen von den fugierten Chorpassagen des Zwischenspiels, erklangen mit packender, stets differenzierter Artikulation. Gleiches lässt sich vom oftmals ungenauen, meist spröden, ja unsinnlichen Al-fresco-Spiel des Orchesters nicht sagen. Der Dirigent Wen-Pin Chien schien hauptsächlich mit der Koordination des vielstimmigen Geschehens beschäftigt. Einzig der Tanz um das Goldene Kalb geriet überzeugend.
Drei Elemente hat Schönberg ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verschobene Perspektiven

Für das Booklet seiner neuen CD hat Philippe Jaroussky ein kontroverses Vorwort verfasst: Countertenöre, so argumentiert er darin, sängen meist Musik, die eigentlich für Kastraten verfasst worden sei. Deren Stimmen aber hätten ganz anders geklungen – weshalb sollten seine Fachkollegen und er selbst sich also nicht auch in anderes Repertoire vorwagen dürfen, zu dem...

Die Hoffnung stirbt ­zuletzt

Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...

Verrückt nach Oper

Man denkt nicht gleich an Oper, wenn von Malta die Rede ist. Ist es doch vor allem die Architektur aus 5000 Jahren, das unvermittelte Nebeneinander von arabischer und christlicher Kultur, von Mittelalter und Renaissance, die dieser Insel ihre touristische Anziehungskraft geben. Oper gespielt wird hier, mit Unterbrechungen, seit der Barockzeit. Malta hat einige...