Schmerzlich

Mozart: La clemenza di Tito
Baden-Baden | Festspielhaus

Opernwelt - Logo

Der gemeine Klassikfreund scheint ein geduldiges Tier zu sein. Meint wohl die Branche. Allzu gerne setzt sie auf jene Leithammel, die ihre Schäflein nun seit Jahren kennen. Bei ihrem gemeinsamen Mozart-Zyklus jedenfalls vertrauen das Festspielhaus Baden-Baden und die koproduzierende Deutsche Grammophon geradezu störrisch auf den Namen Rolando Villazón. Vier Gesamtaufnahmen hat die von Yannick Nézet-Séguin mitinitiierte Reihe bislang gezeitigt.

Doch was bei den drei Da Ponte-Opern noch akzeptabel war, bei der «Entführung» indes schon äußerst kritisch wurde, mutiert nun mit «La clemenza di Tito» endgültig zur Karikatur. Schon nach dem ersten Akt der Baden-Baden-Gala unter dem kanadischen Dirigenten ist klar: Diese Produktion hat eine hörbare Wunde – den Interpreten der Titelpartie.

Und das schmerzt auch den Zuhörer. Denn man mag ihn ja irgendwie, diesen Mexikaner aus Paris bzw. der Vorstadt Neuilly-sur-Seine, mit all seinen Clownsgrimassen, seiner kindlich-naiven, deshalb so sympathischen Liebe zum Theater. Aber so wie Villazón den Titus als Menschenversteher und Humanisten in einer konzertanten Produktion überzeichnet, geht es einfach nicht. Der römische Imperator, dessen Weisheit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Großer Grenzverkehr

Es war ein festes Ritual. Premierenabend für Premierenabend stand Marc Clémeur neben dem Tisch mit den Ehren- und Pressekarten, begrüßte Gäste, nickte allen freundlich zu. Der Hausherr beim Defilee. Ein schöner, familiärer Brauch an der Opéra national du Rhin, der vor allem eines signalisierte: Wir sind ein kleines, aber feines Haus.

Seit der Spielzeit 2009/10 war...

Der Raum ist mein Gefäß

Fotografie bedeutet für Bernd Uhlig vor allem: Kampf mit dem Rechteck. «Das ist die Form, mit der ich seit Urzeiten arbeite und die ich ständig neu auszureizen versuche», sagt er. Das ist eine unendliche Geschichte: alle Spielräume zu nutzen, die Begrenzung zu sprengen – ich glaube, wenn mir dazu nichts mehr einfällt, ist es vorbei.» Bernd Uhlig, geboren 1951 in...

Zwischen den Zeiten

«Mich nanntest du noch Wolf-Siegfried, mit deinen Töchtern Nike und Daphne warst du dann schon bei den alten Griechen.» Es ist Wieland Wagners Sohn, der diese Worte an seinen Vater richtet. Launige, hintergründige Worte, die beim Festakt auf den Punkt bringen, worum es geht. Wolf-Siegfried Wagner ist 1943 geboren. Da hat sein Vater die Bühnenbilder der Kriegs- und...