Schlag nach bei Shakespeare
Das Timing hätte nicht besser sein können: Zeitgleich zu seiner Ausrufung als Nachfolger des 2012 nach Innsbruck wechselnden Pfalztheater-Intendanten Johannes Reitmeier konnte Operndirektor Urs Häberli als Regisseur mit der «Feenkönigin» einen rauschenden Erfolg einfahren. Die Ovationen waren aber nicht nur ein Vorschuss auf die erhoffte Fortsetzung des profilierten Musiktheaterangebots am Fuß des Betzenbergs, sie galten auch einem ungewöhnlichen Experiment.
Denn Häberli führt Purcells Oper «The Fairy Queen» auf ihre Ursprünge zurück, bringt wieder Shakespeare verstärkt ins Spiel – nachdem maßgebliche Produktionen, etwa David Pountneys ENO-Inszenierung 1995, auf den Schauspielteil weitgehend verzichteten.
Die starke Einbettung der musikalischen Nummern in originale Shakespeare-Szenen (benutzt wird die deutsche Übersetzung Frank Günthers) entspricht der Intention des Komponisten, kostet allerdings einige Striche in der Partitur, denen manche von Purcells allegorischen Figuren zum Opfer fallen. Auf der anderen Seite gelingt Häberli, was sonst selten funktioniert: Er schafft eine wirkliche Verschmelzung von Gesang, Schauspiel und Tanz, geradezu unmerklich gehen Purcell und Shakespeare ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Dieter Lintz
Ein Paukenschlag. Nicht weil David Ma-yoral vom superben Barockensemble L’Arpeggiata zu Beginn und am Ende der Vorgeschichte zum Trojanischen Krieg, die Giovanni Andrea Bontempi unter dem Titel «Il Paride» 1662 «vertonte», die große Trommel rührt. Und auch nicht, weil die Musik des aus Perugia stammenden Kastraten, der bei Virgilio Mazzochi in die Gesangschule ging...
Die Frage ist jedes Mal dieselbe: Warum eigentlich die Wiederbelebung erst jetzt? Bei «Medea in Corinto» in St. Gallen (Oktober 2009) und München (Juni 2010) war das so, bei «La Lodoïska» in Ingolstadt (September 2010) und nun auch bei «Amore non soffre opposizioni». Eine Simon-Mayr-Konjunktur mag noch frommer Wunsch sein, die nach dem Komponisten benannte...
Es leuchtet ein, dass sich Antonio Pappano im Zuge seiner frisch entdeckten Rossini-Begeisterung zunächst «Guillaume Tell» zugewandt hat: Schließlich steht der «Tell» als französische Grand Opéra eines emigrierten Italieners für die Symbiose aus italienischen Wurzeln und musikalischem Weltbürgertum, die auch den in Großbritannien und den USA aufgewachsenen...
