Schenkt man sich Rosen im Serail
Die Legende vom Kreuzritter Ernst von Gleichen, der aus siebenjähriger Kriegsgefangenschaft eine orientalische Prinzessin in die thüringische Heimat mitbrachte und daselbst mit Einwilligung seiner ersten Frau sowie des Papstes eine angeblich harmonische Ehe zu dritt geführt haben soll, beschäftigt die Literatur seit Jahrhunderten. Goethe zitiert sie in der Erstfassung seiner «Stella» (1776), Musäus malt sie in seinen «Volksmärchen der Deutschen» (1786) breit aus («Melechsala»).
Auf dessen Text basiert Schuberts letzte, unvollendete Oper, zu der sein jüngerer Freund Eduard von Bauernfeld (1802-1890), später einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Komödienautoren des Vormärz, das Libretto geliefert hat. Die Ironie, der satirische Witz und die erotische Direktheit, die man bei Musäus bewundert und genießt, gehen in seiner biedermeierlich-betulichen Umsetzung allerdings gänzlich verloren.
Zwei Beispiele: Bei Musäus überreicht Gleichen, der Gärtner wider Willen, der Prinzessin ahnungslos eine «Muschirumi» (seltene Hyazinthenart), woraufhin diese sich ein paar Tage in ihrem Zimmer verschließt. Denn sie kann sich auf Arabisch keinen anderen Reim darauf machen als «Ydskerumi», was ...
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Eine weise Entscheidung, als erste Oper im wieder aufgebauten Teatro La Fenice die «Traviata» zu bringen; das Stück hat hier Heimrecht wie kein anderes. Als Verdi es 1853 am selben Ort herausbrachte, verlangte er gemäß der literarischen Vorlage von Dumas, dass die Handlung die Gegenwart abbilden und die bigotte Standesgesellschaft seiner Zeit bloßstellen solle....
