Samiel, hilf!
Wir sind nicht fröhlich oder traurig. Wir sind fröhlich oder gewalttätig.» So hat Stephen King, der king of horror, das amerikanische Lebensgefühl einmal zugespitzt. Disneyland und Todesstrafe. Mörderische Spaßgesellschaft. Aus dieser Richtung scheint sich in Köln Regisseur Viestur Kairish dem Weber’schen «Freischütz» genähert zu haben. Der Wettstreit zwischen Bauern und Jägern wird spielerisch mit Paintball-Gewehren ausgetragen, während zuckerwattesüße Blondchen das putzige Heim in Schuss halten. Und lächeln, was das Zeug hält, komme, was da wolle.
Mit Grausen gedenkt man der «Frauen von Stepford» aus Ira Levins gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1972, in dem die Heldin Joanna in ein vermeintliches Kleinstadt-Idyll gerät und entdeckt, dass die gefügigen Gattinnen allesamt Roboter sind. Im Roman wird Joanna dasselbe Schicksal zuteil. In der Verfilmung von 2004 mit Nicole Kidman, heute bekannter als das Buch, kommt sie davon. Was das mit dem «Freischütz» zu tun hat? In Köln wünscht sich Agathe, die einzige «normale» Frau auf der Bühne, sehnlichst ein anderes Leben als das eines solchen sprichwörtlichen «Stepford wife». Max, bei dem Zweifel an seiner Männlichkeit Aggressionen auslösen ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff
Unter den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts ist Richard Strauss der Umstrittenste, zumindest – seit Adornos brillanter Attacke in seinem Essay aus dem Jahre 1964 – in Deutschland. Von den Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr ragen neben dem «Richard Strauss Handbuch», das Walter Werbeck im Metzler-Verlag ediert hat (siehe Seite 29), drei Titel heraus: eine...
In der Premierenpause gibt der Maestro, leicht verschwitzt, den glühenden «Arabella»-Fan. Der «zweite ‹Rosenkavalier›» gefalle ihm fast noch besser als das Original, erzählt er der ORF-Moderatorin hinter den Kulissen. «Mein Lieblingsstück von Strauss.» Klar, in dieser letzten, 1933 an der Dresdner Semperoper uraufgeführten Gemeinschaftsarbeit von Strauss und...
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre...
