Samiel, hilf!
Wir sind nicht fröhlich oder traurig. Wir sind fröhlich oder gewalttätig.» So hat Stephen King, der king of horror, das amerikanische Lebensgefühl einmal zugespitzt. Disneyland und Todesstrafe. Mörderische Spaßgesellschaft. Aus dieser Richtung scheint sich in Köln Regisseur Viestur Kairish dem Weber’schen «Freischütz» genähert zu haben. Der Wettstreit zwischen Bauern und Jägern wird spielerisch mit Paintball-Gewehren ausgetragen, während zuckerwattesüße Blondchen das putzige Heim in Schuss halten. Und lächeln, was das Zeug hält, komme, was da wolle.
Mit Grausen gedenkt man der «Frauen von Stepford» aus Ira Levins gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1972, in dem die Heldin Joanna in ein vermeintliches Kleinstadt-Idyll gerät und entdeckt, dass die gefügigen Gattinnen allesamt Roboter sind. Im Roman wird Joanna dasselbe Schicksal zuteil. In der Verfilmung von 2004 mit Nicole Kidman, heute bekannter als das Buch, kommt sie davon. Was das mit dem «Freischütz» zu tun hat? In Köln wünscht sich Agathe, die einzige «normale» Frau auf der Bühne, sehnlichst ein anderes Leben als das eines solchen sprichwörtlichen «Stepford wife». Max, bei dem Zweifel an seiner Männlichkeit Aggressionen auslösen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff
Der neue «Titus» von Nancy (in Kooperation mit der Opera North, Leeds) ist vor allem ein musikalisches Ereignis. «Tout Paris» war angereist, um nach der queeren Sechs-Männer-Legende «Artaserse» am selben Ort Franco Fagiolis Sesto-Debüt zu erleben (Idamante folgt im November in London). Und der neue Superstar am Counter-Himmel enttäuschte nicht. Gleich die ersten...
Er hätte nicht gehen müssen. Zwar wurde Fritz Busch, zweifellos einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, im März 1933 von SA-Horden aus seinem Amt als Musikchef der Dresdner Semperoper vertrieben – ein Eklat, bei dem sich das Solistenensemble (mit nur fünf Ausnahmen) und die Staatskapelle unrühmlich verhielten. Doch Hermann Göring, bei dem Fritz Busch...
Wer die Schönheit lobt, macht sich verdächtig. Gilt bestenfalls als naiv. Unkritisch und verantwortungslos, denkfaul, bequem und opportunistisch: eine Liste von Eigenschaften, mühelos zu verlängern und besonders leicht zu belegen am Beispiel des ästhetizistischen Egomanen Richard Strauss’, der selbst die Kumpanei mit Diktatoren nicht scheute, wenn sie dem eigenen...
